Triumphierend blickte sie zu ihm hinüber. Es kam ein unheimliches Leuchten in ihre Augen, die Lippen kniffen sich dünn zusammen, etwas in ihr empörte sich jäh gegen ihn — es war ihr nicht klar warum, aber sie hatte die bestimmte Empfindung, noch ein großes Unrecht an ihm rächen zu müssen!

Im Augenblick schwand die Aufwallung, kaum gekommen. Denn jetzt drängte sich alles um sie. Die elegantesten Kavaliere der Hofgesellschaft eilten auf die Bühne, bestürmten sie mit Komplimenten, mit den überschwenglichsten Lobeshymnen — die ganze griechische Mythologie, kaum in die Flucht geschlagen, schwirrte aus allen Ecken und Enden herbei, um die galanten Herren mit den geziemenden Ausdrücken der Begeisterung zu bedienen! — Kythera, Amor, Hebe, Diana und sämtliche Grazien waren nichts gegen sie, deren Anmut und Schönheit und unvergleichliche Tanzkunst man hoch über den höchsten Olymp hob, um sie in liebegirrenden Interjektionen zu beweihräuchern, so der Adoration günstig zu stimmen und in das Garn der allerirdischsten Wünsche zu verstricken!

Sie empfing die verlockendsten Anerbietungen von rechts und von links — lächelnd stand sie da und hörte allen zu, aber erhörte niemand — sobald es irgend ging, stellte sie sie einen nach dem anderen der Mama vor. Und die Mama war ganz Ohr und floß über vor Wonne und freundlichstem Entgegenkommen! So umschwärmt von Kavalieren war sie in ihrem Leben noch nie gewesen! — Sie war lauter Aufmerksamkeit, prägte sich all die fremden Namen und Gesichter ein, sagte zu allem ja und amen und versprach auf ihre Ehre jedem einzelnen, ihm bei der nächsten Vorstellung Zutritt in die Garderobe ihrer Tochter zu verschaffen.

Heute ginge es nicht an! — Denn der Neid der Kolleginnen hätte dem Neuling die schlechteste Garderobe eingeräumt, wo man kaum Platz hätte, sich umzudrehen, noch weniger, Besuche zu empfangen! Das würde aber bis übermorgen anders werden, und dafür wollte Mama Campanini sorgen!

»Ganz Paris liegt Ihnen zu Füßen, Signorina«, lispelte der Prinz von Carignan, der sich zu guter Letzt den Komplimenten des Publikums entzogen hatte, um sich auf die Bühne zu begeben und Unheil zu verhüten. — »Ganz Paris wird morgen von nichts als von Ihnen reden! Sie werden bei Hofe tanzen! Auf Ehre, ich setze es durch! Aber wir müssen für Sie sorgen! In allem Ernst, Sie müssen Ihrer neuerrungenen Position gemäß auftreten können! Sie müssen imstande sein, die Hofgesellschaft zu empfangen — müssen kleine Gesellschaften — kleine intime Soupers geben — müssen ausfahren können! — Nun, das lassen Sie meine Sorge sein! — Überlassen Sie sich nur meiner Führung — vertrauen Sie sich nur mir an — nur mir — ganz mir! Seien Sie meine Freundin — allein meine Freundin — und ermöglichen Sie es mir, so für Ihre Karriere zu wirken, indem Sie mir das Vorrecht geben, ganz für Ihr Leben zu sorgen! — Nicht wahr, süße Barberina?« lispelte er und führte ihre Hand an seine Lippen. — »Nicht wahr, Sie wollen mir vertrauensvoll Ihr Herz öffnen?«

»Hoheit gestatten?« sagte Barberina und zerrte ihre Mutter vor. — »Hoheit gestatten — — meine Mama!«

Und Mama machte ihr tiefstes Kompliment — Hoheit hatte die Gnade, es zu bemerken — er hatte auch die Gnade, ihr einige Fragen zu stellen, die so prompt und befriedigend beantwortet wurden, daß er sie bald abseits winkte und sich herbeiließ, ihr sehr diskrete Instruktionen zu geben, die sie, beglückt lächelnd, unter vielen Verneigungen empfing und gehorsamst zu befolgen versprach.

»Adieu, carissima!« lispelte er dann nochmals im allergnädigsten Ton Babara zu. »Ich sehe, wir werden schon einig! Finden Sie sich morgen bei meinem Lever ein mit Ihrer Frau Mama! Wir werden dann Ihre Gagen-und anderen Verhältnisse besprechen und zum allerbesten ordnen! Noch einmal mein Kompliment! Sie haben famos getanzt! Ihr Debut war entzückend! Ein Triumph sondergleichen!«

Er ging ein paar Schritte und wandte sich dann um.

»Apropos!« sagte er und winkte sie näher. »Fast hätte ich's vergessen: — Bachelier war da — der erste Kammerdiener des Königs! Er war sehr befriedigt — wirklich sehr entzückt! Sie können was darauf geben! Er ist ein Connaisseur! Stellen Sie sich gut mit ihm, falls Sie die Gelegenheit haben sollten! Seine Protektion ist nicht zu verachten! Ich habe schon verschiedene Eventualitäten mit ihm besprochen! — Er wird dem König ein Wort sagen — er wird hoffentlich bald von sich hören lassen! — Ich denke — nach der Übersiedelung des Hofes nach Fontainebleau, bei einem der großen Gartenfeste, werden Sie Gelegenheit haben, den König mit Ihren Pirouetten zu bezaubern! Nun, warten wir es ab! Erst bringen wir all das andere in Ordnung — dann wollen wir sehen! Au revoir