Und sie floß über vor Rührung.
»Ja, Signore Fossano«, fuhr sie den jetzt eintretenden bisherigen Beschützer an und nahm die Nase hoch, »Ihr seid jetzt distanziert! — Jetzt sollt Ihr's nur versuchen, dem armen Kinde die Siegesfreude zu dämpfen wie damals nach ihrem ersten großen Siege als Psyche! — Wie hat sie sich dann ducken müssen! Ins Herz hat's mir geschnitten, sie so grausam um die erste große Freude ihres Lebens gebracht zu sehen! — Jetzt lassen wir uns aber nicht mehr düpieren, Signore — jetzt seid Ihr der Düpierte! Ihr habt heute ausgespielt!«
»Meint Ihr?« lächelte Fossano ironisch.
»Nun, wer fragt wohl nach Euch? — Hat jemand auch nur ein einziges Wort an Euch gerichtet? — Hat man draußen ein einziges Mal >Fossano< gerufen? — Wo blieb Eure große Beliebtheit beim Publikum, mit der Ihr Staat machtet? — Wo blieb auf einmal die Berühmtheit? — Nein, uns imponiert Ihr nicht mehr!«
»Ich sehe es«, sagte Fossano. »Ich erwarte auch gar nichts von Euch, Signora! Babara aber wird nicht vergessen, wer es war, der ihr den Weg zum heutigen Triumph geebnet hat! — Sie wird sich nicht der Dankespflicht entziehen, mir für die Mühe und die Arbeit, die ich mir mit ihr gegeben habe, erkenntlich zu sein! — Sie wird ihres Versprechens eingedenk bleiben, mir zu gehorchen und sich meiner Führung ganz anzuvertrauen!«
»Wir brauchen keine Führung! Wir wissen uns jetzt selbst zu helfen«, sagte die Domina brüsk. »Gewiß, wir sind Euch Dank schuldig, Signore — wir vergessen's nicht — wir sind nicht undankbar! Wir werden auch alles für Euch tun, was wir nur tun können! Unserer Protektion könnt Ihr jederzeit gewärtig sein!«
Es machte ihr eine grausame Freude, ihm das alles zu sagen. Sie hatte sich so lange vor ihm ducken müssen, daß sie lieber ihr Leben gelassen, als die Gelegenheit versäumt hätte, sich gegen ihn aufzulehnen. Und auch Babara war es aus dem Herzen gesprochen. Jedes Wort richtete sie innerlich auf — für jeden Hieb, den die Mutter ihm versetzte, fiel eine von den tausend Fesseln, die sie an ihn ketteten. Bis auf die letzte! Und die löste er selbst!
»Nicht wahr, Babara«, sagte er und verbiß seine Wut über die Ungezogenheit der alten Frau, »nicht wahr, du hast noch etwas übrig für mich? — Du bleibst mir treu? — Du hast noch ein wenig Dank für meine große Liebe zu dir?«
Er trat an sie heran und legte die Hand um ihre Schulter.
Da fuhr sie auf, wie von einer Schlange gebissen, und schlug ihn mit dem Handtuch, mit dem sie sich die Schminke abgewischt hatte, ins Gesicht.