»Ich hasse dich!« rief sie mit zornbebenden Lippen. »Ich hasse dich und werde nie damit aufhören! Für jeden Schritt, den ich noch machen muß auf dem Wege, auf den du mich geführt hast, werde ich dich verfluchen und verabscheuen! Was ich habe, habe ich nicht von dir! Hast du mir aber geholfen, mich da zurechtzufinden — hast du mir das Höchste, das Heiligste im Leben gezeigt und mich es schätzen gelehrt, so hast du's getan, nur um es mir beschmutzen zu können! Jetzt bin ich drin — jetzt bin ich da, wo du mich haben wolltest! Laß mich jetzt zurechtfinden, so gut ich kann! Deiner bedarf ich nicht dazu! Komm mir jetzt nicht zu nahe! Geh! Hinaus — hinaus!«
Und sie trieb ihn, der sie mit weit offenen Augen anstaunte, rückwärts gegen den Ausgang und aus der Garderobe.
In der Tür stieß er mit Rameau zusammen, der kam, um sie zu beglückwünschen, und so den ganzen Auftritt mit angehört hatte.
Fossano drängte sich an ihm vorbei und ging schnell, hinter einem höhnischen Lachen seine Verlegenheit verbergend.
»Armes Kind«, sagte der alte Meister und streichelte ihre Hand, »wie schmerzt es mich, auch bei dir diese Erfahrung machen zu müssen! Nicht nur der Triumph — auch die entwürdigendste Erniedrigung ist dir geworden! Das ist die Kehrseite der Künstlerschaft, deren Herbheit keinem erspart zu bleiben scheint! Du wärest eines besseren Schicksals wert!«
Sie machte ihre Hand los, um ihre Tränen abzutrocknen. Ihre Lippen bebten noch vor Aufregung.
»Recht so!« setzte er fort, »nur dagegen ankämpfen — aus allen Kräften dagegen ankämpfen! — Mußt du auch um die Gunst Fortunas buhlen — mußt du, wie die meisten Künstler, den Preis zahlen, um das Recht, dich zu geben, zu erringen, so versuch wenigstens, dein Ureigenstes, deine Psyche rein und unbeschmutzt zu erhalten! Halte wenigstens den Trieb, dich in deiner Kunst zu geben, rein und unberührt von den Verlockungen der Welt! Sonst ist's um dich geschehen!«
»Nur ruhig, Herr Musikmeister«, sagte die Domina, »sie wird schon ihren Weg machen! Da habt bloß keine Angst!«
»Sehr — sehr viel Angst habe ich um sie! Denkt Ihr, ich kümmere mich um die erste beste? Hier steht aber etwas ganz Seltenes — etwas in der Kunst noch nicht Dagewesenes auf dem Spiel! Das darf nicht gemißbraucht und durch den Schmutz geschleift werden! Da ist's heilige Pflicht zu reden! Und Ihr könnt Euch auf mich verlassen! Ich habe die bittere Erfahrung, die Ihr auch haben werdet, reichlich auskosten müssen! Um Gelegenheit zu haben, ein einziges schönes Lied zu singen und, ohne Rücksicht auf den Geschmack anderer Leute, mich voll und ganz in meiner Kunst zu geben, habe ich auch die Fratzen machen müssen, die die Welt sehen will!«
»Nun, dafür wurdet Ihr bezahlt!«