»Gewiß, Signora! Aber — ist man echt, kann man sich auch dann nicht ganz verleugen! Kunst wird eben alles, woran der echte Künstler rührt! Und es lebt, tant mieux, auch wenn die unsauberen Wünsche der Welt daran kleben! Die Gefahr ist, dabei der Welt zu unterliegen, zu versumpfen, zu veröden und seelisch abzusterben! — Da heißt's kämpfen — mit aller Macht, auch im Versinken, zur Höhe wollen! — Denn schließlich kommt doch der Moment der Befreiung, wo man auf einmal die Fessel abwirft und gegen die Sonne fliegen kann, wenn der Trieb hinauf noch lebendig blieb! Das ist das Wesentliche! Alles andere ist nur Nebensache! Und daran wollte ich eben mahnen, gerade jetzt, mitten im Triumph, wo die Versuchungen von allen Seiten auf Euch einstürmen! Nehmt den Wunsch für Euer Wohlergehen von einem alten Künstler an, der in Eurer Kunst eine der schönsten Offenbarungen seines Lebens gesehen hat!«

Er küßte ihr die Hand und ging bewegt. ——

Die Signora brummte:

»Sie sind sich alle gleich! Neidisch, mißgünstig, der eine wie der andere! Immer kommen sie und suchen die Siegesfreude zu dämpfen! Nichts gönnen sie dir!«

Aber Babara hörte nicht zu. Sie stand da, in Gedanken versunken. — Sie war wieder im Dome zu Parma. Goldig strömte das Licht aus der Kuppel auf sie herab, und sie blickte wieder voll Sehnsucht hinauf zu den Glücklicheren, die befreit gegen das Licht hinaufschwebten, und wollte mit in ihren Reigen — fort von allem, was sie hier unten fesselte!

Die von Herzen kommenden Worte des alten Musikmeisters waren ihr ins Herz gedrungen und hatten da eine Saite vibrieren gemacht, die fortan den Grundton ihres ganzen Wesens angeben sollte. Sie fühlte sich wieder sicher — sie wußte, wohin! Und alles andere, wie es auch kommen mochte, wurde ihr gleichgültig.

Sie dachte nicht einmal daran.

Um so mehr tat es aber die Mama!


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