»Und du – du bist ja ... hm! Wie sagst allweil: Du bist frei von allen Vorurteilen ...«

»Das hat dir aber nie recht gefallen.«

»Mein Gott, i! I bin a alter Mann! Aber ...«

»Nun ja. Ich verurteile sie auch nicht!«

»Brav, Eduard! Bist mein Mann! Bist ein Prachtmensch! Geh kumm, heut stech ma an Rüdesheimer an!«

Beim Rüdesheimer redeten sie noch lange und – sehr gescheit.

So endete der erste Tag nach Thildens Heimkehr. –

»Ich verurteile sie auch nicht!« Hm hm! Ja ja! Das war nicht bloß geredet! Er benahm sich auch ganz danach, der Eduard. Eine Freud war's! Wie er sie nur oft anschaute! Und sie, sie schaute ihn auch an – so eigen. Hm. Und einmal wurde sie ganz rot, als er sie so anschaute und ließ den Löffel in den Teller fallen vor lauter Verlegenheit. O! Wie wär Herr Schoißengeyer da früher dreingefahren »in solche Unmoralitäten!« Aber jetzt! Mein Gott, man wird eben auch nach und nach frei von – den Vorurteilen. Der Mensch lernt nie aus. Und dann handelt es sich doch um die Zukunft seines – Hauses ... und wenn man's genau nimmt, immerhin auch um die seines Kindes. Jawohl!

Es machte ihm eine große heimliche Freude, den beiden aufzulauern, sie möglicherweise zu ertappen, zu belauschen und dann zu tun, als hätt er gar nichts bemerkt, gar nichts gehört. Freilich die jungen Leute waren sehr vorsichtig. Herr Schoißengeyer fand dies auch ganz begreiflich und war »allweil gut aufglegt«.

Als er aber eines Tages Eduard beobachtete, wie er der Thilde so nachblickte, so – so ... hm! Den Schnurrbart drehte er dabei, pfiff leise vor sich hin und lächelte so – so merkwürdig. Wirklich so merkwürdig. Sonderbar! Höchst sonderbar! Da packte Herrn Schoißengeyer der helle Zorn und – die Angst. Wenn der Eduard am End, weil die Thilde ja doch ... Das wär denn doch! Dann müßte er aber schon! Aber nein! Nein! So schlecht ist der Mensch nicht. Der gewiß nicht. Er kennt ihn ja schon: ein ehrlicher Kerl durch und durch! Nichts zu reden weiter.