So meinte auch »d' Frau«, als sie ihn bald danach fragte, ob er denn gar nichts merke zwischen den Zweien? Frau Marie sah ihn dabei groß an und lächelte dazu so – nun auch so eigen, aber doch so lieb, daß er sie hätte küssen mögen – wenn sich dies für einen alten ehrsamen Mann »überhaupt« geschickt hätte.
Das Hausgesinde war mit dem »alten ehrsamen Mann« jetzt sehr zufrieden. Er tat gerade so, als ob er blind wäre gegen alle Fehler, ging oft leise pfeifend durch die Räume, wo er sonst Furcht und Schreck verbreitete, war sogar manchmal – freigebig und lachte über die dümmsten Witze. Laut sogar! Ganz gegen alle Würde. Aus alledem »spannten« die Leute etwas. Er aber merkte, daß sie etwas spannten und war – auch zufrieden.
So kam Weihnachten heran, die Zeit seligen Gebens und glückseligen Nehmens, die stille Zeit des Friedens.
Und Friede sollte nun wohl bald einkehren in sein Haus und in sein Herz: alles stand so, wie es sich Herr Schoißengeyer nicht besser wünschen konnte.
Am heiligen Abend kam er etwas verspätet von seinen Einkaufgängen zurück. In manchen Häusern des stillen Städtchens brannte schon der Weihnachtsbaum.
Als er im Straßenlichte seines ehrsamen Firmaschildes verblichene Goldbuchstaben schimmern sah, dachte er schmunzelnd:
»Na, vielleicht heißt es bald: »Anton Schoißengeyer und Neffe«. Vielleicht schon von Neujahr an!«
Er schlich unbemerkt zu der Tür des Zimmers, wo seit alterszeiten her der Christbaum für die kleinen Schoißengeyer aufgestellt wurde. Und wie einstens der Knabe so stand nun der alte Mann und Vater an dieser geheimnisvollen Tür – und lauschte. Er hatte Eduards Stimme gehört und gleich darauf Thildens helles Lachen. Jetzt aber rief sie ängstlich aus:
»Ach, Eduard! Ich kann dir gar nit sagen, wie mir ist! Was wird der Vater sagen! Ach Gott, wenn nur das schon überstanden wär!«
»Ja und Amen wird er sagen, Thildchen! Mein liebes liebes Thildchen!«