Verwirrt blieb Christine auf der Schwelle stehn. Frau Betti aber eilte ihr entgegen, so schnell es ihre alten Beine vermochten, sank vor ihr nieder und weinte Tränen auf die Hände der wonnevoll Ueberraschten.

Verwirrt und errötend zog Christine das ganz fassungslose Mutterl empor.

»Er hat mir alles gesagt!« rief Betti schluchzend aus. »Ich schäm mich so sehr und bin so glücklich – Gott verzeih mirs! Ich bin so sündhaft glücklich!«

Jetzt kam zögernd auch Rudolf herbei. Tiefgesenkten Hauptes blieb er vor Christine stehn.

»Herr Doktor ...«

Er schaute auf und schaute froherschrocken in ihr strahlendes feuchtschimmerndes Auge.

»Herr Doktor – Sie haben Ihren Beweis erbracht!«

Langsam ging sie, unfähig, den Blick von ihm zu wenden, auf Rudolf zu. Mädchenhaft zögernd reichte sie ihm die Hand zum Gruße.

Er beugte sich langsam und schier ehrerbietig über die kleine tapfere Hand und küßte sie fast feierlich-ernst. Wirr und mit unbezwinglichem Befremden hob sie ihren Blick zu ihm auf. Und tief drinnen in diesem scheuen Blick konnte er selig erschauernd eine bange heiße zitternde Frage lesen.

Im jähen Jubelsturm seiner Gefühle preßte er ihre Hand an sein pochendes Herz. Und willenlos sank sie tief errötend an seine Brust ...