Förster: Ihr redet grauslich, so als sollt es eine Unterschrift geben wie mit Blut, wie sie der Teufel verlangt, wenns um Seelen geht.

Graf Heinz: Geht auch um Seelen. Kein Teufel hat dabei Etwas zu tun. Zwei Engel oder einer. Mit dem Laib Brot, das wird wohl der Engel Leiden sein, mit dem sie immer redet bei Nacht — der andere, das ist ein besonderer Engel, wie sie da droben gar keinen haben und wohl gern einen hätten, mit roten Streifen an den Händen, die so gerne geben möchten und keinen Dank dafür nehmen. Goldene Schuhe will er und bekommt keine, weil er sie nicht braucht .. denn es wachsen ihm ja Flügel. Schöne, herrliche, weiße Flügel wachsen ihm; ich will schnell die Schrift aufsetzen, ehe er die aufhebt und davonfliegt und wir ihm mit offenen Mäulern ins Blaue nachgucken. Ich geh mit Euch hinunter und schreib es, ich bin gleich fertig. Dann bringt Ihr die Schrift der Gräfin Gisela morgen früh hinauf, aber Ihr selbst und sagt ihr: Es schicke ihr der getreue Narr zur Morgengabe — das ewige Brot.

Am andern Morgen.

Förster: Guten Morgen, Gräfin Gisela. Ist eine rechte Sturmnacht gewesen. Soll Euch dieses bringen zur Morgengabe ... Die Unterschrift besorgt der Jung-Graf heute ... (Er geht wieder ab.)

Gisela (entfaltet ein Pergament): Ein Schriftstück ... was ist das? (Sie liest.) So stifte ich, Heinz von Brauneck, zum ewigen Angedenken an die Nacht vom 26. September 1672, in der mir am Kreuzweg zwischen Sommerberg und Schloß Schweigen ein Engel begegnet und mit mir aus ehernem Kelche vom Waldbrünnlein trank, 200 Golddublonen aus meiner Mutter Brautschatz. Das Geld soll auf Zinsen gelegt und aus dem Zins Korn gekauft und daraus jede Woche 30 Laibe Brot gebacken werden. Und soll diese Stiftung bleiben auf ewige Zeit. Und soll das Brot verteilt werden an arme gebrechliche und alte Weiblein und soll am Jahrestag gedacht werden des Engels, der mit dem Grafen Heinz von Brauneck aus ehernem Kelche vom Waldbrünnlein trank ...

Gisela: Das ewige Brot! (Sie erhebt sich ein wenig und schaut hinaus zum Fenster, von wo sie ein Stückchen Feld sehen kann, es geht der Sämann darüber, hell leuchtet sein Samensäcklein herauf vom Tal ... Dann flüstert sie:) Wirf aus dein Samenkorn, du Sämann! Wirf es aus über das heilige Land. Ihr Winde Gottes, weht mit sanftem Flügel über die dunkle Erde, die das Samenkorn verbirgt. Du weißer, feiner, weicher Schnee, bedecke die grünen Kindlein, daß sie nicht frieren. Du liebe Sonne, lüfte mit goldenen Händen die Decke, wenn die Kindlein ausgeschlafen haben. Ihr Lerchen, steigt auf aus dem Feld und lobet den Vater, der die Witwen und Waisen nicht vergißt und die kleinen Vöglein mit frohen Stimmen gesegnet. O komm linde herab vom silbernen Mond, du Nachttau, und tränke die durstigen Gräslein, daß sie schlank in die Höhe sprießen und stark werden und stolz ihr goldenes Krönlein tragen. Ihr Kornblumen, schmücket das Gottesfeld mit blauem Rande, und zeigt den gesenkten Aehren im Spiegel den blauen Himmel, daraus ihr erstes Körnlein fiel. Kleines Mäuslein, geh heraus aus dem Acker, und such dir deine Nahrung dort, wo nicht der Armen Brot wächst. Und wenn die bleigrauen Wolkenberge mit weißem Rande emporsteigen, so neigt euch hernieder, ihr Engel, und umstellt mit weißen Flügeln das Feld, daß kein Hagel es treffe. Ihr silbernen Tropfen im dichten Fall, o beugt mir die Halme nicht zum Grund, daß der goldene Segen nicht verderbe, und es werde das Brot der Armen. — Und wenn die Schnitter mit starken Armen die Sichel schwingen, so sende du, Vater, der du machest Winde zu Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern, ein kühles Lüftchen über die heißen Stirnen und behüte sie alle, daß kein Sonnenpfeil sie treffe. Und nun kommt und holt es euch, das Brot! Ihr Müden, ihr Alten, du Witwe mit dem Sorgengesicht, du armes Mägdelein, das Leiden gezeichnet, kommt durch Sommer, durch Winter hindurch, durch gute Jahre, durch böse Jahre. Ich sah euch kommen, ein langer Zug durch Jahrhunderte hindurch geht er schon .... Mein Leib ist dann lange in Staub zerfallen, Niemand weiß mehr etwas von der Hexe. Nehmt und holt es euch, das Brot, das die Liebe euch gab. Und du, Großmutter, schneid es an für das Enkelkind.

Inhalt

Was das Waldschloß erzähltSeite[1]
Das himmlische Gloria[8]
Die furchtbarste Geschichte der Welt[11]
Wie Gisela mit Leiden stritt[16]
Der Herrgottsnarr[26]
Das ewige Brot[48]