»Ach,« sagte Gretchen ganz ernsthaft und dachte an Ottilie, »so geht mir's auch! Da passen wir ganz gut zusammen, mir verbittern sie auch das Leben.«

»Dir?« fragte Fräulein Treppner erstaunt und sah ungläubig in das blühende Kindergesicht neben sich.

»Ja, freilich, mir ist's heute wieder so schlecht gegangen. Da ist eine in unserer Schule, die strickt so schön und die hat mich heute so verspottet und ich kann doch einmal das Muster nicht!«

Der ganze Jammer der Arbeitsstunde fiel Gretchen wieder schwer aufs Herz und ihr Ton klang so bekümmert, daß Fräulein Treppners Mißtrauen ganz verschwand. Sie sah wohl, dies Kind trieb keinen Spott mit ihr.

»Was strickt ihr denn in eurer Schule?« fragte sie.

»Ganz feine, weiße Strümpfe mit einem schweren Börtchen, das bringe ich gewiß nie heraus und in jeder Stunde wird Fräulein Klingenstein ungeduldiger mit mir. Man darf auch die Arbeit nicht mit heimnehmen und wenn man's auch dürfte, die Mutter ist ja krank und Lene brächte das Kettenbörtchen vielleicht selbst nicht heraus.«

»Das Kettenbörtchen ist's? Welcher Unsinn, so kleinen Dingern ein solch schwieriges Muster zuzumuten! Ja, die meisten Menschen sind heutzutage verrückt!« versicherte Fräulein Treppner.

Inzwischen waren sie an das Haus gekommen. Als aber Gretchen hinter Fräulein Treppner eintreten wollte, fing der Mops wieder an zu bellen und wollte es nicht leiden. »Molly, still!« wehrte Fräulein Treppner. »Er kennt mich eben noch nicht,« sagte Gretchen entschuldigend.

»Er kann die Kinder nicht leiden; gelt, Molly, du weißt, daß sie mich verspotten, ja Spott tut weh!«

Jetzt sah das alte Fräulein wirklich traurig aus und es trieb Gretchen, ihr zum Abschied noch freundlich die Hand zu bieten, und Fräulein Treppner nahm wirklich die Hand und sah Gretchen noch wie verwundert nach – sie war nicht gewöhnt, daß ihr die Menschen so herzlich und zutraulich begegneten.