»Ich hab' dir eine Tafel mitgebracht, noch eine schönere als die meinige, sieh nur her!« und Gretchen packte ihren Ranzen auf und zog die neue Tafel heraus. Luise sah begierig darauf, aber sie traute sich nicht, die Tafel zu nehmen.
»Hat's deine Mutter erlaubt?« fragte sie zögernd.
»Jawohl, die Mutter hat's erlaubt und der Vater auch, und er hat gesagt, die Menschen seien nicht so schlimm, wie du meinst, und da ist auch noch ein Apfel für dich und auch eine Schürze.«
Nun war aber Luisens Gesicht auch nimmer trübselig, nein, es strahlte ebenso, wie das von Gretchen.
»O, ihr seid gute Leute!« rief sie, nahm die Tafel, besah sie von allen Seiten und drückte sie zärtlich an sich. Auch das Schürzchen kam ihr wunderschön vor. Sie hätte es am liebsten gleich angezogen und hätte wohl auch gerne gleich den Apfel verzehrt, aber dazu war nun keine Zeit mehr. Jeden Augenblick konnte es zwei Uhr schlagen und die beiden Mädchen liefen eilig der Schule zu.
»O wie hab' ich so Angst gehabt vor dem Lehrer, ehe du gekommen bist,« sagte Luise.
»Aber ich habe dir doch gewiß versprochen, daß ich dir eine Tafel mitbringe.«
»Ich habe dir's gar nicht geglaubt,« antwortete Luise offenherzig.
An diesem Nachmittag wurde in der Schule nur gesungen und gelesen.