»Ich will gleich die Mutter fragen; sie ist im Garten,« sagte Gretchen und ging mit dem Vater hinaus.
Aber die Mutter war längst nimmer im Garten, sie hatte sich gedacht, daß man sie bald brauchen würde, und war schon bereit.
»Mutter, ich darf! aber haben wir denn noch eine Tafel?«
»Nein; aber es ist noch nicht Zeit zur Schule, du kannst wohl noch zum Kaufmann gehen und eine holen. Hier ist das Geld.«
Gretchen rannte davon.
»Was meinst du dazu,« sagte der Vater, »wenn wir dem Kind auch noch einen Apfel schicken würden und vielleicht fände sich auch noch ein Schürzchen, das man entbehren könnte; es wäre ein gutes Werk, wenn man dem kleinen Geschöpf wieder ein besseres Vertrauen in die Menschheit einflößen könnte.«
Die Mutter war ganz mit einverstanden und als Gretchen mit der neuen Tafel zurückkam, hatte die Mutter schon einen Apfel und eine Schürze zurechtgelegt.
»Willst du das deiner Luise mitbringen und ihr sagen, die Menschen seien doch nicht so schlimm, wie sie meint?« fragte der Vater.
Gretchen war's, als habe sie ihren Vater noch gar nie so lieb gehabt, wie eben jetzt. Als sie dankte, wären ihr fast Freudentränen gekommen und das durfte doch nicht sein, wenn der Vater da war.
Gretchen ging am Schulhaus vorbei der kleinen Luise entgegen, ihre drei Schätze: Tafel, Schürze und Apfel hatte sie in ihrem Ranzen. Jetzt trafen die zwei Kinder zusammen; unser glückliches, fröhliches Gretchen und die ängstliche, trübselige Luise.