»Ich gehe, ja, ich gehe,« sagte sie, und ohne sich noch einmal zu besinnen, verließ sie den Garten, ging hinauf und öffnete des Vaters Türe, so leise und bescheiden, wie man es von ihr gar nicht gewöhnt war. Der Vater saß in seinem Lehnstuhl und las. Er blickte auf.

»Vater,« sagte Gretchen und trat zaghaft näher, »darf ich dir etwas erzählen?«

»Ja, wenn's ohne Tränen geht und wenn nichts von einer Tafel drin vorkommt.«

»Es geht ohne Tränen, aber von einer Tafel muß etwas vorkommen, sonst kann man's gar nicht erzählen.«

»So, nun laß eben hören,« sagte der Vater, und nun erzählte Gretchen so rührend von Luisens Not mit der Tafel, von ihren schlimmen Erfahrungen mit dem Apfel und mit der Schürze und wie sie so schmerzlich wiederholt habe: »Es ist immer so,« daß der Vater endlich rief: »Jetzt ist's aber so traurig, daß mir selbst fast die Tränen kommen.«

Ungläubig sah Gretchen zum Vater auf und lächelte: »Dir kommen sie nie, Vater.«

»Doch, doch, wenn du nicht heute nachmittag noch dem kleinen Unglückskind eine Tafel bringst.«

»Also darf ich?!« rief Gretchen und fiel dem Vater in hellem Entzücken um den Hals.

»Freilich,« sprach der Vater; »ist denn aber noch eine Tafel da?«