»Nun hör einmal selbst, wenn du's nicht glaubst,« erwiderte der Vater, und langsam und deutlich las er vor:

»Am 1. März vormittags 11 Uhr sind diejenigen Kinder, die bis dahin das siebente Lebensjahr zurückgelegt haben, zur Schule anzumelden. Dies wird allen Eltern und Vormündern, insbesondere auch den Eltern von Gretchen Reinwald, zur Kenntnis gebracht.«

Mit größter Aufmerksamkeit hatte Gretchen zugehört und als ihr eigener Name kam, war sie dunkelrot geworden. Als aber der Vater die Zeitung weglegte, hatte er ein so eigentümliches Lächeln um den Mund, daß Gretchen dachte, am Ende sei doch alles nur Spaß – man wußte nämlich nie recht, wie man in solchen Dingen mit dem Vater daran war. Da mußte die Mutter zur Hilfe kommen.

Gretchen sprang hinaus in die Küche, wo die Mutter eben mit der Lene Beratung hielt, denn morgen war Fastnacht und da sollten Küchlein gebacken werden.

»Mutter, komm doch herein, aber schnell, bitte, es steht ja etwas im Wochenblatt von mir

»Von dir?« riefen die Mutter und Lene gleich sehr erstaunt.

»Ja, der Vater sagt's, o sieh doch auch in die Zeitung!« und Gretchen zog die Mutter ganz ungestüm ins Zimmer. Fragend sah die Mutter den Vater an, dieser reichte ihr lächelnd das Blatt und wies auf eine Stelle.

»Ja, ja, das geht freilich dich an,« sagte die Mutter, nachdem sie gelesen hatte, »am 1. März müssen wir dich zur Schule anmelden!«

»Nun, glaubst du's jetzt?« fragte der Vater. »Nicht wahr, da steht's deutlich: insbesondere auch den Eltern von Gretchen Reinwald.« Die Mutter lachte. »Unsern Namen kann ich gerade nicht sehen, aber jedenfalls gehört Gretchen Reinwald zu den Kindern, die da gemeint sind.«

»Gelt, Vater, ganz wahr ist's doch nicht gewesen, das hab' ich dir gleich angesehen!«