»Mit Verlaub, Herr Baumann, wer so schwarze Spitzbubenaugen hat, gesteht nichts ein.«
»Das versteht Sie nicht, Semmelmeierin. Das Schwarze, das kommt vom südlichen Land und wären wir dort geboren, so wären wir auch nicht blond. Das Herz ist deswegen noch lange nicht schwarz.«
»Ich glaub's wohl und Sie verstehen es ja am besten, und ich schweige, darauf können Sie sich verlassen.« Und die alte Schuldienerin hielt Wort.
An diesem Mittag teilte Gretchen ihren Eltern voll Vergnügen das Ereignis von dem verschwundenen Rohr mit.
»Wenn ihr Kinder klug wäret,« sprach Herr Reinwald, »so würdet ihr für morgen euren Spruch viel besser lernen als sonst und euch überhaupt so musterhaft verhalten, daß euer Lehrer sich sagen müßte: Es geht ja alles viel besser, seitdem ich kein Rohr mehr habe, da schaffe ich mir kein neues mehr an!«
»O wie herrlich das wäre, das muß ich gleich heute Nachmittag mit allen Kindern ausmachen,« rief Gretchen eifrig, und schon auf dem Schulweg und auf der Treppe redete sie alle ihre kleinen Kameraden an und sagte, sie habe etwas ganz Wichtiges mit ihnen auszumachen. Endlich als im Schulzimmer alle sie neugierig umringten, wiederholte ihnen Gretchen ganz genau ihres Vaters Worte und fügte dann hinzu: »Den Spruch, der an die Reihe kommt, weiß ich und den sag ich euch vor und ihr sagt ihn alle nach, bis ihr ihn alle könnt!«
»Wenn ich aber nicht mag?« fragte des Holzhackers Franz und stellte sich dabei recht breit und patzig vor Gretchen hin.
An diese Möglichkeit hatte unser Gretchen gar nicht gedacht und sie war ganz bestürzt; denn der Holzhackers-Franz war gerade einer von denen, die ihre Sache nie konnten, der mußte also mittun.
»O mög doch auch,« bat sie treuherzig, »sonst kauft sich Herr Stein gewiß wieder ein neues Rohr!«
»Das macht doch dir nichts? Dich schlägt er nicht, das weiß jedes!«