»Lene, ich stricke doch, ich glaube, ich muß!«
»Nun ja, so stricke, es läßt dir sonst doch keine Ruhe, und jedenfalls freut es die Mutter.«
Gretchen nahm ihre Arbeit und setzte sich ans Küchenfenster, während Lene am Küchentisch Wäsche einspritzte. Vier Nadeln gingen wirklich ganz ohne Unglücksfall vorüber, es war heute ein besonderer Segen bei der Arbeit, wie wenn der Strumpf gewußt hätte, daß ihn seine kleine Herrin heute zum erstenmal freiwillig in die Hand nahm. Eine gute Weile war so verstrichen, als es an der Glastüre klingelte.
Lene öffnete und Gretchen hörte ein schüchternes Stimmlein fragen: »Ist Gretchen zu Hause?« Schnell war Gretchen draußen, sie mußte doch sehen, wer nach ihr fragte.
Es war die kleine Emilie von der Apotheke; die sagte, ihre Mama habe erfahren, daß Gretchen heute allein sei und lasse sie einladen, mit ihnen spazieren zu gehen.
»Willst du?« fragte die Kleine zuletzt.
»Ob ich will? Lene, höre nur, die fragt noch, ob ich will! Natürlich will ich,« rief sie fröhlich lachend und faßte die kleine Emilie und drehte sie im Kreis herum, daß es der Kleinen angst und bang wurde. Kurze Zeit nachher zogen die zwei Schulkamerädinnen vergnügt von dannen.
Neuntes Kapitel.
Eine wichtige Neuigkeit.
Es war Gretchen ganz sonderbar zu Mute, als sie spät abends vom Spaziergang heimkam, und Vater und Mutter nicht da waren. Wie still und leer war's doch im Wohnzimmer!