Als Lene auf den Schreibtisch leuchtete, stieß sie einen Schreckensruf aus. Da hatte sich eine ganze Wasserlache angesammelt; ein Buch, das auf dem Tisch lag, war schon ein wenig naß und verschiedene Päcke Akten und Briefe waren nur um eines Fingers Breite von dem Wasser getrennt.
Lene nahm einen Stoß um den andern und räumte alles auf einen andern Tisch, bis der Schreibtisch ganz leer war. Dann wischte sie das Wasser auf und stellte eine Schüssel unter. Währenddem rief Lene einmal ums andere: »Ach, Kind, Gott Lob und Dank, daß du das entdeckt hast, dein Vater wäre außer sich gewesen, wenn die Papiere alle durchnäßt worden wären, das hätte schweren Schaden angerichtet!«
»Ja, Lene, das hat gar nicht sein können, denn weißt du, ich habe ja den lieben Gott extra gebeten, daß er für uns sorgt. Er hat mich schon zu rechter Zeit geweckt.«
»Ja, Kind, du hast recht, aber jetzt leg dich doch schnell wieder ins Bett, in deinem dünnen Nachthemdchen muß dich's ja frieren. Ich bleibe jetzt auf, bis das Gewitter ganz vorbei ist, du aber schlupfe unter die Decke!«
Gretchen ließ sich das nicht zweimal sagen und legte sich. Dann betete sie noch einmal: »Lieber Gott, ich danke dir, daß du so gesorgt hast, aber jetzt sorgt die Lene,« dann legte sie sich auf die Seite und war trotz Donner und Blitz bald eingeschlafen.
Am nächsten Morgen schien die Sonne wieder freundlich und Gretchen stattete ihren gewohnten Besuch bei den Stachelbeerstöcken im Garten ab. Da, als sie ganz in dies Geschäft vertieft war, rief die liebe, wohlbekannte Stimme der Mutter durchs Fenster: »Gretchen, grüß dich Gott!« und: »Guten Appetit,« fügte der Vater hinzu. Die Eltern waren soeben von der Bahn gekommen. Das war eine Überraschung! Gretchen rannte die Treppe hinauf und in der Freude, die Eltern wieder zu haben, vergaß sie ganz, daß sie nun etwas über die geheimnisvolle Reise erfahren sollte, bis der Vater sagte:
»Nun, Kind, was hättest du denn gesagt, wenn ich heute telegraphiert hätte, du sollst uns auch nachkommen?«
»Ich, ganz allein? Da wäre ich doch lieber mit euch gegangen.«
»Das haben wir uns gedacht und darum sind wir auch wieder gekommen, um dich zu holen.«
»Im Ernst, Vater?«