»Ich weiß schon, was du möchtest,« unterbrach die Mutter, »aber jetzt mache doch nur, daß du einmal fortkommst, ich habe alle Hände voll zu tun!«
Und Gretchen ging. Sie kam wohl ein wenig zu spät, aber der Lehrer sagte nur: »Ich habe schon Angst gehabt, daß du gar nimmer kommst!« und er und die anderen Kinder blickten gar freundlich auf sie. Ein halbes Stündchen vielleicht hatten die Kinder gearbeitet und der Lehrer rief eben: »Wieviel macht 9 und 5?« da klopfte es an der Türe und herein trat – Herr Reinwald.
Alle Kinder sahen zuerst auf ihn und dann drehten alle wie auf Kommando die Köpfe nach Gretchen. Was bedeutete dieser Besuch? Gretchen wußte es selbst nicht.
»Entschuldigen Sie, daß ich störe,« sprach Herr Reinwald zu dem Lehrer. »Meine Kleine möchte zum Abschied ihren Schulkameraden eine Freude machen und da möchte ich denn die ganze Klasse auf heute Nachmittag in unsern Garten einladen. Die Birnen und Jakobiäpfel sind reif, die Himbeerstöcke hängen voll Beeren und möchten gezupft sein. Wollt ihr wohl kommen, Kinder?«
Sie wollten wohl alle, aber keines hatte recht den Mut, laut zu antworten. Da erhob sich unser Felix, dem kam diese Art gar unhöflich vor: »Wenn Sie erlauben, werden wir so frei sein und kommen.« Herr Reinwald lächelte.
»Wer ist der kleine Sprecher?« fragte er.
»Das ist Felix Acosta.«
»Ach ja, das hätte ich mir denken können, von dem habe ich schon viel gehört. Also ihr wollt kommen?«
Jetzt ertönte ein lautes, allgemeines, jubelndes »Ja« und Gretchen lachte laut auf vor Glück.