Mit der Mutter Hilfe wurde nun ein schöner Wunschzettel geschrieben. Auf diesem stand: »Ich wünsche mir, daß ich allen Schulkameraden, die ich lieb habe, zum Abschied eine Freude machen darf. Lieb habe ich alle, die arm sind, und Apothekers Emilie und Felix Acosta, von dem ich nicht weiß, ob er arm ist.«

Der Zettel kam auf des Vaters Schreibtisch und am nächsten Morgen lag er auf Gretchens Frühstückstasse und der Vater hatte darunter geschrieben: »Soll erfüllt werden.«


Zehntes Kapitel.
Der Abschied.

Die Vakanz war vorüber, zwei Wochen noch war Gretchen in die Schule gegangen und jetzt stand der Umzug nahe bevor. Auf Dienstag war er festgesetzt und heute war schon Samstag. Im ganzen Hause sah es schon ungemütlich aus, die Vorhänge waren von den Fenstern weg, die Zimmer lagen voll Heu und Stroh und Kisten standen überall im Weg.

»Es ist gar nicht mehr behaglich daheim,« sagte Gretchen, »ich bin froh, daß ich in die Schule gehen darf.«

»Ja, heute zum letzten Mal,« sagte die Mutter, »am Montag ist auch dein Schulranzen schon eingepackt.«

»Aber Mutter, ich will nur sehen, ob der Vater sein Versprechen hält mit der Freude für die armen Schulkinder; gewiß vergißt er's und ich mag ihn doch nicht so oft daran erinnern!«

»Er wird schon daran denken zur rechten Zeit. Aber jetzt gehe nur, du kommst sonst zu spät in die Schule!«

»O, das macht nichts, du weißt gar nicht, Mutter, wie gut der Lehrer gegen mich ist und alle Kinder. Darum möchte ich ihnen eben gar so gern eine Freude – –«