»Natürlich ein Kalb!« rief Gretchen. – »Ein Kalb?«

»Ja, ein rechtes, lebendiges Kalb, so ein gutmütiges, dickköpfiges Kalb!« Aber die Mutter schüttelte den Kopf.

»Liebes Kind, das geht nicht. Denke nur, was würde unser neuer Hausherr in der Residenz sagen, wenn wir in seine elegante Wohnung ein Kalb mitbrächten!«

»O das nehmen wir gar nicht mit hinauf, das führen wir gleich hinten in den Hof, oder in irgend einen Stall nebenan.«

»Da gibt's keinen Hof und keinen Stall, mein Kind, das ist fast so unmöglich wie das Königreich, das sich der Vater auch verbeten hat. Aber es wird dir schon etwas anderes einfallen, das besser paßt, besinne dich nur!«

Das tat nun Gretchen den ganzen Nachmittag, sie zog bald die Mutter, bald Lene zu Rate, und kam doch zu keinem Entschlusse.

»Du hast eben schon alles, was ein kleines Mädchen sich nur wünschen kann,« sprach die Mutter, »da wäre es wohl leichter, wenn sich z. B. die arme Luise Seiz, der du damals die Tafel geschenkt hast, etwas wünschen sollte.«

»Mutter, jetzt hab' ich's,« rief Gretchen ganz vergnügt, »ich wünsche mir etwas für sie und für die andern armen Schulkinder, für alle, die ich lieb habe, geht das?«

Die Mutter überlegte ein wenig.

»Es ließe sich vielleicht schon machen, daß wir, ehe wir von hier fortziehen, allen eine Freude bereiten.«