»Du bist so gut gegen mich, aber die andern, die lachen mich alle aus!«
»O gar nicht alle, bloß manche sind so; warte nur, wenn du länger bei uns bist, gefällt es dir schon besser.«
Inzwischen waren die Mädchen in den oberen Stock gekommen. Dort war eine große Kammer, in der mehrere Schränke und Ständer standen und auf einem der letzteren war der Platz für die Arbeitskörbchen. Jedes Kind nahm das seinige und dann sprangen sie wieder die Treppe hinunter in das Schulzimmer.
Kaum waren sie alle darin, so trat Fräulein von Zimmern ein. Augenblicklich herrschte lautlose Stille.
»Wer hat zuletzt die Kammer verlassen?« fragte Fräulein von Zimmern.
»Ich nicht, ich nicht,« riefen verschiedene Stimmen.
»Ich frage nicht, wer es nicht war, sondern wer es war,« wiederholte Fräulein von Zimmern in strengem Ton. Nun wurde es ganz stille, Hermine aber trat vor und indem sie zugleich auf Gretchen deutete, sprach sie: »Wir beide miteinander.«
»Ihr habt die Kammertüre offen gelassen; eine schlechte Note für jede von euch beiden,« und Fräulein von Zimmern verschwand.
»Was ist's mit den schlechten Noten?« fragte Gretchen.
»Sie werden jeden Monat zusammen gezählt und ins Zeugnis geschrieben,« antwortete Hermine, »und wenn man im Lernen noch so gut ist, so kann man doch keinen guten Platz bekommen, wenn man schlechte Noten hat; sie werden mitberechnet.«