»Er hat doch erzählt, daß die Kranke fünf Nächte vor Schmerzen nicht geschlafen habe.«
»Und da wäre es doch großartig, wenn sie wirklich heute Nacht gut geschlafen hätte.«
»Sicher hat sie geschlafen, diese Pulver wirken immer.«
»Das ist doch ganz herrlich, wenn man solche Mittel aus seiner Apotheke geben kann!« sagte Hermann.
»Ja, ja,« erwiderte Mohr; aber er war seit etwa fünfundzwanzig Jahren daran gewöhnt und deshalb schon etwas abgestumpft gegen die Herrlichkeit seiner Mittel.
»Und wie müssen erst die glücklich sein, die so ein Mittel entdecken!« fuhr Hermann fort.
Sie wurden unterbrochen durch ein ängstliches, lautes Rufen, das von dem Mädchen draußen zu kommen schien. »Was hat doch die Mine,« rief Frau Mohr lebhaft aufspringend, »es ist gerade, wie wenn sie mich zu Hilfe riefe,« und rasch sprang sie vom Kaffeetisch auf, hinaus zum Mädchen. Einen Augenblick nachher kam sie wieder unter die Türe und rief ihrem Mann zu: »Ach, komm nur schnell, die Mine hat eben den Keller gekehrt, nun hat sie einen Blutegel am Fuß und sie sagt, überall im Keller kriechen die Blutegel umher.«
»Er läßt nicht los,« rief das Mädchen, »was soll ich denn tun? Ich bring ihn nicht weg.«
»Nicht wegreißen!« rief der Apotheker. »Salz oder Asche her.« Im Nu brachte Frau Mohr die Salzbüchse. Eine Hand voll wurde auf den Blutegel gestreut, da fiel er weg und lag harmlos auf dem Boden.