»Nein, Hermann, das ist etwas Arges; wie du darauf gekommen bist, kann ich nicht begreifen. Aber wer weiß, wenn du einen schönen Schinken mitgebracht hättest, so wär’s vielleicht doch anders gekommen, die Frau Apotheker hätte dann eins ins andere gerechnet und ein gutes Wort für dich bei ihrem Mann eingelegt. Das sage ich dir, Hermann, wenn du auf die Universität kommst, ohne Schinken für den Professor lasse ich dich nicht fort!«

In den nächsten Tagen wurde manchmal über Hermanns Zukunft gesprochen, was er studieren könnte und ob man ihn zunächst auf das Obergymnasium schicken sollte. Hermann sprach nicht mit, und wenn er gefragt wurde, so war ein freudloses: »Wie ihr wollt« seine Antwort. »Der Bub’ ist ganz verwettert,« sagte der Vater, »es ist nicht recht gewesen vom Apotheker, er hätte erst ein paar Wochen Geduld haben sollen.«

»Ja, das meine ich wahrhaftig auch,« sagte die Mutter, und sie grollten dem Manne. Am meisten war die Schwester über die Behandlung des Bruders gekränkt, denn für sie war er der Inbegriff des Guten und Gelehrten. Und sie allein ließ sich auch nicht trösten durch die Aussicht, daß es ihr Bruder auf der Universität noch viel weiter bringen könnte. »Er hat sich doch aber eine Apotheke gewünscht und nichts anderes,« war ihre Entgegnung.

So war fast eine Woche vergangen, den nächsten Sonntag wollte Hollwanger benützen, um wegen seines Sohnes einen Brief zu schreiben. Da erschien am Samstag morgen Hermann wieder mit seinem früheren fröhlichen Gesicht; und als der Vater in früher Stunde sich auf den Weg machte, nach den Arbeiten draußen zu sehen, ging er mit ihm. »Hast’s jetzt verwunden?« fragte ihn freundlich der Vater, »gelt, wenn auch einmal Sturm und Regen die Frucht niederschlagen, sie steht doch wieder auf. Morgen schreiben wir.«

»Vater, ich möchte dich nur um eins bitten, schicke mich den Sommer noch nicht fort, laß mich noch bis Herbst daheim!«

»Daheim? wie kommst du mir vor, willst mit zur Feldarbeit? Dann wüßt’ ich nicht, wozu du dein Latein gelernt hast?«

»Nein, aufs Feld wollt’ ich nicht, bloß daheim bleiben.«

»Faulenzen? Oder was? Red’ deutsch, Hermann.«

»Ich weiß halt schon vorher, daß dir’s gar nicht recht sein wird, Vater, aber einmal muß ich’s ja doch sagen: Für mich allein arbeiten möcht ich, mich den Sommer über einüben, damit ich im Herbst Apotheker werden kann.«

»Apotheker? Ein hartnäckiger, starrköpfiger Mensch bist du, Hermann. Ein zäher, einrissiger Kerl mit deiner verwünschten Apotheke! Hast doch gehört, daß du nicht taugst dazu, hast’s ja selbst gesagt!«