Der Trost verfing am besten; über den Qualm der Pfeife kam der sorgliche Hausvater in gemütliche Stimmung.
Inzwischen wurde es immer dumpfer und heißer in dem Stübchen; der Johann wollte auch nicht mehr gut tun, da kam gerade zur rechten Zeit die Schwester aus der Schule heim. Sie hatte noch nicht die Bücher abgelegt, als Philipp schon den Puppenbalg aus der Hand warf, den er eben in Arbeit hatte: »Da, Marie,« rief er, »jetzt komm du her.« »Halt,« sagte der Vater, »zuerst müssen die Köpfe hinaus in die Sonne, so lang bleibst du noch sitzen, Philipp.« Der kleine fünfjährige Arbeiter setzte sich mit weinerlichem Gesicht wieder an die Arbeit; Marie nahm eines der Bretter, auf dem die Köpfe standen, und trug sie hinaus. Sie wußte schon, wie sie’s zu machen hatte: am Gartenzaun wurde ein Köpfchen neben dem andern aufgesteckt, auch auf die Fensterbretter außen wurden sie zum Trocknen gestellt, überall, wo irgend ein Platz zu finden war. An sonnigen Tagen waren gar viele Gärten und Häuser im Dorf so eigenartig geschmückt.
Jetzt kam Marie wieder zurück in die Stube; der kleine Philipp sah begierig auf, ob ihn die Schwester nun ablösen würde. Die aber nahm ihre Schiefertafel, ihr Schulbuch und ihren Griffel und machte alle Anstalten, ihre Schulaufgabe zu schreiben. Aber da erhob sich allgemeine Einsprache: »Was fällt dir denn ein, Marie,« rief die Mutter, »gerad’ nur von der Schul’ heim und wieder schreiben, du bist wohl nicht recht bei Verstand! Als ob wir keine Arbeit hätten! Elias, siehst nicht den Übermut?« rief sie dem Mann zu. Der wandte sich um und wollte auch etwas dagegen sagen, aber da kam der Husten und verhinderte die Einsprache; sie war auch nicht mehr nötig, denn der Philipp fing so laut an zu heulen, daß Marie ihren »Übermut« aufgab, die Bücher beiseite schob und des kleinen Bruders Arbeit nahm, ohne ein Wort zu sagen.
»So, Philippchen,« sagte die Mutter, »jetzt gehst du in die Wirtschaft und holst um zwanzig Pfennige Speck zu Mittag; nimmst auch den Johann mit, daß er auch sein Vergnügen hat.«
»Er hat gar keinen Rock an, darf er im Hemd mit?«
»Den Rock mußt ihm halt anziehen, er liegt in der Kammer auf dem Bett.«
»Ja, der hat schon gestern keinen Häckel mehr gehabt, den kann man nimmer zumachen.«
»Sei nicht so dumm, Philippchen, suchst eben, ob du nicht eine Stecknadel findest, daß der Rock so lange hält, bis ihr wieder heimkommt.«
»Könntest nicht so einen Häckel hinnähen?« fragte der Vater.
»Es ist halt alles zerrissen,« sagte die Mutter, »aber am Sonntag will ich’s schon richten. Johann, gelt, tust dein Röckchen schön halten, daß es auf der Gasse nicht herunterfällt!«