Jetzt ging es ans Werk. »Hans, bring alle deine Bausteine herbei, schnell, schnell!« und mit Bausteinen und Büchern wurden nun sämtliche Fenstersimse so hoch belegt, daß die Lichter durch die Scheiben sichtbar wurden. Und dann wurden sie angezündet. Ob es nun wohl ging? Unsere junge Frau hätte sich ja nicht gewundert, wenn heute Lämpchen und Zündhölzer ihren Dienst versagt hätten. Aber sie brannten so gutmütig an, stellten sich ganz unschuldig. Einen Qualm gab das freilich in die Zimmer! Im Eckzimmer mit seinen vier Fenstern allein vierzig Unschlittlichtchen! und nirgends konnte man ein Fenster öffnen. Einerlei, wenn man auch nicht mehr im Zimmer atmen konnte, wenn es nur hell hinunterleuchtete! Und das tat es! Eine strahlende Helle war in allen Zimmern, und Anne nahm Hänschen mit hinunter, daß er es von der Straße aus sehen konnte. »Darf ich ein wenig mit ihm fortrennen zum Feuerwerk?« rief sie herauf.

»Ja, ja, geht nur miteinander.«

Das kleine Mädelein war aus dem qualmenden Zimmer hinausgeflüchtet worden in die Küche; da schlief sie ganz sanft, während ihre Mutter unruhig im Haus herumging. Die ungewohnte Helle, die zunehmende Hitze hatte etwas Beunruhigendes. Sie ging hinauf in die Kammer. Droben wurde es so heiß, der weiße Lack an den Fenstern fing an zu riechen, alles fühlte sich warm an. Wenn nur kein Brand entstand! Sie lief wieder ins untere Stockwerk, waren doch alle Vorhänge fest zurückgesteckt? Es war fast nicht auszuhalten, die Hitze, der Qualm und dabei die Angst! Eine Kanne Wasser in der Hand ging sie unablässig von einem Zimmer ins andere, wohl eine halbe Stunde lang. Endlich hörte man drunten auf der Straße Wagengerassel. Sie eilte ans Fenster: der Prinz und die Prinzessin, die Herren ihrer Begleitung, darunter der Stadtschultheiß, fuhren am Haus vorüber in den Gasthof zurück; das Feuerwerk war aus, die schaulustige Menge strömte ins Städtchen zurück. Gott Lob und Dank, die Lichter durften ausgelöscht werden!

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Es war neun Uhr abends, Ruhe herrschte im Haus, Frau Römer saß allein auf ihrem kleinen Sofa am Tisch und ruhte aus. Die Kinder und Anne schliefen schon. Ordnung war wiederhergestellt und frische Luft strömte durch die Fenster. Da näherte sich durch die stille Straße ein lauter, fester Tritt, ein Schlüssel wurde in die Haustüre gesteckt. »Mein Mann kann es nicht sein, aber doch ist er’s!« sagte sich die junge Frau und eilte hinaus. Ja, er war es.

»Du kommst schon?« sagte sie erstaunt. »Ich hätte gedacht, heute wird es spät!«

»Ja,« sagte er, »die andern sitzen auch noch fest beisammen!«

»Und du?«

»Ich habe mich in aller Stille davongemacht. Ich wollte auch einmal wieder bei meiner Frau sein.« Dies Wort zerstreute alle Sorgen der jungen Frau, sie fühlte es: alles war schön und gut zwischen ihnen und nun wurde es gemütlich! Sie gingen miteinander ins Zimmer und setzten sich behaglich zusammen.

»Ist das schön, wenn so ein Tag vorbei ist!« sagte Römer.