»Ist alles gut gelungen?«
»So ziemlich,« sagte er. »Die Beleuchtung der Häuser war ja durch den Wind recht lückenhaft, nur unser Haus war glänzend. Schon von ferne fragte mich die Prinzessin, wem dies strahlende Häuschen gehöre. Ich war nicht wenig stolz, hätte fast gesagt: meiner Frau. Das Strahlen wenigstens kam von dir, wie hast du es denn gemacht? Überall sonst waren doch die meisten Lichter verlöscht.«
Sie erzählte all ihre Erlebnisse. »So, deshalb riecht es so merkwürdig im ganzen Haus? Also hast auch du Angst ausgestanden während des Feuerwerks, ich aber auch!«
»Wieso du?«
»Du hast doch heute morgen gehört, daß ein Pulverwagen hier durchkommen wollte. Nun, der Eilbote, der das hintertreiben sollte, der geistreiche Mann, hat den Fußweg eingeschlagen, auf dem er dem Pulverwagen natürlich nicht begegnete! Wie wir nun abends hinausfahren nach den Felsen, die beleuchtet wurden, und aussteigen, kommt der Ratsdiener auf mich zu. Ich seh ihm gleich an, daß etwas nicht in Ordnung ist, ich nehme ihn beiseite. ›Sehen Sie dort hinüber, Herr Stadtschultheiß,‹ sagt er. ›Auf der alten Straße, an der andern Seite vom Fluß, fährt der Pulverwagen!‹ Ich sehe hinüber: langsam bewegt sich dort der große, schwarze Wagen, mit der vorgeschriebenen roten Laterne und dem roten Fähnchen, unheimlich anzusehen. Und dabei steigen schon zischend die Raketen auf und der Wind jagt die Funken nach allen Seiten hoch in die Luft. ›Was ist zu tun?‹ fragte mich der Ratsdiener. ›Es ist nicht mehr zu ändern,‹ sagte ich, ›lassen Sie sich nichts merken, daß kein Schrecken unter den Leuten entsteht. Gehen Sie hinüber, sorgen Sie, daß der Wagen ohne Aufenthalt weiterfährt, aber langsam und ruhig; wenn er nicht umwirft, kann nichts geschehen. Durch den eisernen Deckel dringt kein Funke.‹ Er ist ein wackerer Mann, der alte Ratsdiener, und hat sich heute wieder bewährt, du könntest ihm morgen eine Flasche Wein schicken. Wie er von mir weggeht, höre ich, wie ihn ein Mann anredet: ›Sagen Sie, ist denn das da drüben nicht ein Pulverwagen?‹ ›Das macht doch nichts,‹ sagt der Ratsdiener mit größter Seelenruhe; ›auf dem Wagen können Sie ein Feuerwerk abbrennen und es dringt kein Funke hinein.‹ ›So, so,‹ sagt der andere sofort beruhigt. Du kannst dir aber denken, wie es mir zumute war, während das Feuerwerk so in der Luft herumschwärmte. So oft es unbemerkt ging, mußte ich mich umwenden und hinübersehen nach dem kleinen roten Licht, das allmählich weiterrückte auf der Straße. Langsam kroch die Gefahr davon, bis sie endlich hinter dem Berg verschwand.«
»Und der Prinz hat nichts davon erfahren?«
»Nein, er war in fröhlicher Laune bis zuletzt und ebenso die Prinzessin, die mir noch an der Bahn einen Gruß an Hans auftrug. Er ruht jetzt wohl von seiner Plage?«
Ja, der Kleine ruhte und ebenso genoß der Vater den friedlichen Abend; in der Wohnung des Stadtschultheißen gab es jetzt keinen geplagten Mann!