Als die Frau Assessor eintrat, standen zwei fremde Herren vor ihr, und stellten sich vor: der eine nannte sich Ingenieur Maier, von dem andern, dem Archivar Rau, verstand sie nur etwas wie Wau wau; es war ihr auch nicht so wichtig, wie die Herren von der vermeintlichen Feuerschau hießen. Diese aber freuten sich, das hübsche junge Frauchen ihres Freundes kennen zu lernen, sprachen es auch aus und fragten, ob sie sich schon ein wenig heimisch fühle im Städtchen? Die Frau Assessor antwortete darauf sehr freundlich. Sie fand es nett und auch ganz natürlich, daß sogar die Feuerschau teilnahm an ihrem jungen Eheglück, und es wurden einige verbindliche Worte gewechselt. Freilich, zum Sitzen wurden die Herren nicht aufgefordert, dagegen sagte die Frau Assessor: »Wollen Sie vielleicht unsern neuen Ofen betrachten?« und mit einer Handbewegung machte sie auf den hohen weißen Kachelofen aufmerksam. Gehorsam wandten sich die Herrn diesem zu. »Es ist ein sehr hübscher Ofen,« sagte der Ingenieur. »In der Tat sehr schön,« wiederholte der Archivar.

»Aber er ist so unbequem einzuheizen,« sagte die Hausfrau. Das bedauerten die zwei Fremden von Herzen. »Vielleicht könnte man es ändern?« fragte die junge Frau. »Das ließe sich schwer machen,« antwortete der Ingenieur. Da die Hausfrau keine Miene machte, sich von dem Ofen zu entfernen, konnten die Herren auch nicht davon wegkommen. Sie wollten doch artig sein, so mußten sie den Ofen eben noch weiter bewundern. »Die Kacheln sind sehr schön,« sagte der Ingenieur. Der Archivar setzte seinen Zwicker auf und besichtigte die Kacheln, aber er fand trotz des Zwickers nichts Besonderes an ihnen.

Als die Unterhaltung stockte, entfernte sich die Hausfrau von dem Ofen, machte die Türe zum Eßzimmer auf und sagte: »Wollen Sie nicht den eisernen Ofen ansehen, den habe ich viel lieber,« und ohne die Antwort abzuwarten, ging sie voran. Die beiden Freunde warfen sich heimlich verwunderte Blicke zu, sie mußten aber wohl oder übel zu dem eisernen Ofen folgen. Da standen sie nun wieder alle drei wie gebannt um den Ofen herum. Der Ingenieur war noch gut daran, er verstand wenigstens etwas davon und sprach nun ganz eingehend über die Bauart des Ofens. Der Archivar hingegen konnte nicht recht mittun. Unser Frauchen fing an im stillen über die Feuerschau zu zürnen; sie fand es wunderlich, daß die Herren gar nicht voran machten, der Archivar besonders blieb immer in ehrerbietiger Entfernung vom Ofen stehen, wie wenn er sich davor fürchtete.

Ebenso fingen die Besucher an, im stillen über die junge Frau zu zürnen. Sie war doch noch recht ungeschickt, daß sie ihnen nicht einmal einen Platz anbot! Die Frau Assessor dachte bei sich: »Ich muß ihnen weiter helfen,« und indem sie die Türe zum Nebenzimmer aufmachte, sagte sie: »Wollen Sie nicht auch den kleinen Ofen im Schlafzimmer ansehen? Es ist ein tönerner.« Jetzt wurden ihre Besucher widerspenstig. »Ich danke,« sagte der Ingenieur, »wir wollen doch nicht überall eindringen.«

»Bitte, das stört gar nicht,« sagte die Hausfrau und ging voran.

»Mir geht wirklich das Verständnis für Öfen gänzlich ab,« sagte der Archivar.

»Das ist aber sehr traurig für Sie,« entgegnete die junge Hausfrau, denn sie dachte: »Der Mann hat offenbar seinen Beruf verfehlt.«

Inzwischen hatten die Herren doch nicht anders gekonnt, als der Hausfrau in das Schlafzimmer folgen, und nun standen sie vor einem kleinen, alten, unscheinbaren Tonofen, der ihnen so gar nichts sagte.

»Raucht der Ofen?« fragte nun der Archivar und war nicht wenig stolz, daß ihm noch eine so passende Frage einfiel.

»Nein, er raucht nicht, wir haben ihn auch noch gar nie angezündet.«