"Ich bin Fräulein Bergmann begegnet," sagte Wilhelm, der eben heimkam, "sie ist gesprungen wie ein Wiesel und hat mir ganz fidel zugenickt; warum sie wohl gerade heute so vergnügt ist?"
Mit der Stelle kam es nach einigem Hin- und Herschreiben in Richtigkeit. Schon zum 1. April sollte Fräulein Bergmann sie antreten. Das letzte gemeinsame Mittagsmahl war vorüber, die Kinder freuten sich unten, im Freien, der langersehnten warmen Frühlingsluft, Frau Pfäffling war mit der Sorge um das Gepäck der Reisenden beschäftigt, diese saß allein noch mit Herrn Pfäffling am Eßtisch.
"Wenn ich einmal alt und pflegebedürftig bin," begann Fräulein Bergmann, "dann frage ich wieder an, ob Sie mich aufnehmen möchten in Ihr Haus. Ich kenne niemand, dem ich mich in hilfloser Lage so gern anvertrauen möchte, als Ihrer lieben Frau und den seelenguten Zwillingsschwestern. Dann dürften Sie ja keine Angst mehr haben vor meiner kritischen Art." Herr Pfäffling, der nach seiner Gewohnheit um den Tisch gewandelt war, machte jetzt Halt und sagte: "Die Kritik ist ja sehr viel wert, wenn sie nicht bloß aus schlechter Laune entspringt. Solange Sie alles tadelten, wehrte ich mich dagegen, aber jetzt, wo wir in friedlicher Stimmung auseinandergehen, jetzt würde ich auf Ihr Urteil viel geben. Sie sagten neulich, es sei alles unschön und unfein bei uns—"
"Nein," fiel sie ihm ins Wort, "so sagte ich doch nicht und überdies wissen Sie wohl, daß alles nur aus einer gewissen Streitlust gesprochen war."
"Aber etwas Wahres lag doch wohl Ihren Äußerungen zugrunde. Möchten Sie mir nicht sagen, was Ihnen unschön erscheint in unserem Hauswesen, unseren Gewohnheiten?"
Fräulein Bergmann überlegte. "Ich kann meine Behauptung wirklich nicht aufrecht erhalten," und mit einem gutmütigen, aber doch ein wenig spöttischen Lächeln fügte sie hinzu: "Unschön ist eigentlich nur eines."
"Und zwar?"
"Darf ich es sagen? Nun denn: unschön kommt mir vor, wenn Sie so wie jetzt eben im Laufschritt den Tisch umkreisen, an dem man sitzt."
Herr Pfäffling hielt betroffen mitten in seinem Lauf inne.
"Ihr Wilhelm fängt das nämlich auch schon an," fuhr sie fort, "haben Sie es noch nicht bemerkt? Neulich lief er ganz in Ihrem Schritt hinter Ihnen, immer die gleiche Entfernung einhaltend, wahrscheinlich um einen Zusammenstoß zu vermeiden, da Sie oft mit einem plötzlichen Ruck stehenbleiben. Es war sehr drollig anzusehen, nur wurde mir schwindelig dabei."