"Das begreife ich!" sagte Herr Pfäffling, "und wenn mir schließlich alle Kinder folgen würden wie ein Kometenschweif, so ginge das zu weit. Ich werde es mir abgewöhnen, sofort und mit aller Energie. Wie man nur zu solchen übeln Gewohnheiten kommt?" Er versank in Gedanken darüber—und nahm seinen Lauf um den Tisch wieder auf.
Fräulein Bergmann verließ lächelnd das Zimmer.
Im Vorplatz übergab Frau Pfäffling den vollgepackten Handkoffer an Walburg. "Ist er nicht zu schwer?" fragte sie.
"O nein," entgegnete Walburg in ungewöhnlich lebhaftem Ton, "ich trage ihn gern fort."
Hatte sie auch nie die unfreundlichen Äußerungen gehört, die Fräulein Bergmann über sie tat, so hatte sie doch in ihr eine Feindin gewittert und war froh, daß diese so unerwartet schnell abzog. Warum, wußte sie nicht, fragte auch nicht darnach, es genügte ihr, daß offenbar niemand unglücklich darüber war, Marianne vielleicht ausgenommen, aber die würde sich bald trösten, und eine neue Mieterin konnte sich nach Ostern finden.
Frau Pfäffling begleitete die Reifende und Elschen durfte diesmal mit zur Bahn. Die kleine Reisegesellschaft war kaum zur Haustüre hinaus, als Herr Pfäffling seine drei Großen herbeirief: "Nun helft mir die Portiere abnehmen, daß man wieder Luft und Licht hat und frei durch die Türe kann. Aber vorsichtig, die Mutter sagt, sie könne den schönen Stoff gut verwenden!"
So standen sie bald zu viert auf Tisch und Stühlen und hantierten lustig darauf los, als heftig geklingelt wurde und gleichzeitig durch das offene Fenster von der Straße herauf Elschens Stimme ertönte, die nach den Brüdern rief. Otto sah durchs Fenster und fuhr blitzschnell wieder herein: "Fräulein Bergmann hat ihren Schirm vergessen, sie kommt selbst herauf!"
"Geht hinaus, laßt sie nicht herein," rief Herr Pfäffling, "den schmerzlichen Anblick soll sie nicht erleben!" Draußen hörte man auch schon ihre Stimme: "Ich muß den Schirm im Eßzimmer abgestellt haben." Richtig, da stand er in der Ecke! Wilhelm erfaßte ihn, blitzschnell rannte er durch die Türe und konnte diese gerade noch hinter sich schließen und Fräulein Bergmann den Schirm hinreichen. Sie hatte nichts gesehen und eilte davon.
"Wenn sie nun zu spät zum Zug kommt und wieder umkehrt!" sagte Herr Pfäffling überlegend und sah nach der Portiere, die, halb oben, halb unten, einen traurigen Anblick bot. "Wir hätten eigentlich warten können bis morgen."
Nun blieb aber keine Wahl mehr, das Werk mußte vollendet werden; bald sah alles im Haus Pfäffling wieder aus wie vorher; Fräulein Bergmann kam nicht wieder, das fremde Element war ausgeschieden, Frau Pfäffling kehrte mit Elschen allein zurück. "Sie läßt euch alle noch grüßen," berichtete sie, "ihr letztes Wort war: 'Vielleicht kann ich Ihnen auch einmal ein schönes Tischgebet schicken!'"