Nimm dich zusammen, mein Schatz, und lasse Dich nicht von Deinen melancholischen Anwandlungen überwältigen; bringe auch, wenn Du Platz hast, ein Kopfkissen mit zur Ergänzung einer etwas unzulänglichen Bettdecke.... Auf endliches Wiedersehen
Dein Karl.«
(Nachschrift). »Die Beischaffung eines zweiten Bettes, das man ebenfalls gratis liefern wollte,[7] macht, wie mir heute berichtet wird, unerwartete Schwierigkeiten. Da Du nun Muße hast zu packen, so wäre wohl das Zweckmäßigste, eines von unsern eigenen mitzubringen.... Von dem übrigen Gepäck habe ich noch nichts und bin hinsichtlich der Wäsche nicht übel in Verlegenheit. Heute lasse ich noch am Bahnhof fragen.«
[7] Dies geschah alles aus Begeisterung für die schleswig-holsteinische Sache.
Diese hauswirtschaftlichen Bemerkungen werfen ein Licht auf die vielen kleinen Opfer, die ein solches Wanderleben mit sich brachte, und jede Hausfrau kann sich vorstellen, daß Pauline eine geringe Freude hatte, als sie nach möglichst beschleunigten Reisevorbereitungen den Termin wieder verändert sah und das verlangte Bett nachschicken mußte. Sie schrieb in jenen Tagen an Lina Sartorius:
Liebe Lina!
Eigentlich wollte ich Dir erst aus Frankfurt schreiben, da aber meine Abreise dorthin unvermutet im letzten Augenblick noch um einige Tage verschoben wurde, so will ich den heutigen freien Sonntag doch noch schnell in dieser Weise verwenden und freue mich, endlich einmal wieder mit Dir ein wenig plaudern zu können, auch für Deinen letzten Brief schönen Dank zu sagen; ein teilnehmendes Wort war bei mir, seit ich hier bin, wirklich recht angewendet, es war mir eine schwere Zeit ohne meine Kinder, auch fast immer von meinem Mann getrennt, mit dem mühevollen Geschäft des Einrichtens und nach allen Seiten hin im Haus in Anspruch genommen, wo es eben wieder an allem und allem fehlte. Ich war wirklich bis Weihnachten stets in einer wahren Hetze, den Haushalt meines Bruders wieder aufs Laufende und unsere Einrichtung in Ordnung zu bringen, und wie hatte ich mich gefreut, dann endlich einmal in Ruhe und zu dem Gefühl einer Heimat und geordneten Häuslichkeit zu kommen, da brachte mir mein Mann am heiligen Weihnachtsabend aus Frankfurt die Nachricht mit, daß wir nun fürs erste dorthin übersiedeln müssen. Ich versichere Dir, es schien mir im ersten Augenblick fast unmöglich, mich wieder hier loszureißen und meinen Bruder abermals zu verlassen.«
Während sie so schrieb, war Brater auf der Reise nach Kiel und schrieb ihr von Altona: »In Erwartung einiger Personen, denen ich hier Rendezvous gegeben habe, finde ich Zeit, diesen Brief anzufangen, der morgen von Kiel an Dich abgehen soll.
Wir sind also hier auf schleswig-holsteinischem Boden, das kleine Hotel mit der Inschrift: »Deutsche Bundeskommission« und dem sogenannten Reichsadler befindet sich in nächster Nähe, die sächsischen und hannoverischen Exekutionssoldaten marschieren durch die Gassen und lösen ihre Wachtposten ab.
Die gestrige Reise von Frankfurt nach Hamburg verlief dank dem mildern Wetter und den trefflichen Pelzen Varrentrapps ganz gut. Von Harburg am linken Elbufer hat man noch anderhalb Stunden bis Hamburg in einem vollgestopften Omnibus zu fahren, der zweimal mit Dampffähre über zwei Elbarme gesetzt wird. Wenn aber das Treibeis zu stark geht, hört diese Verbindung ganz auf und man genießt das Vergnügen, tagelang auf günstigeres Wetter in Harburg zu warten.