Prinzeßchen fein, bist noch so klein,
Mög Gott dich uns bewahren!
Du bist ja unsers Königs Kind,
Drum bleiben wir dir treu gesinnt
Jetzt und in späten Jahren!
Lautlose Stille hatte in dem ganzen Saal geherrscht und rührend hatte die reine Stimme geklungen. Die Königin war sichtlich bewegt. „Wer hat das schöne Lied gemacht?“ fragte sie das Kind, während sie es an seinen Platz zurückgeleitete.
„Meine Mama hat es mir gemacht.“
„Da mußt du ihr einen Gruß von mir bestellen und mußt sie bitten, daß sie mir das Lied aufschreibt und dann bringst du es mir und singst es mir noch einmal.“ Die Königin bat die Hofdame, sich des Kindes Adresse zu notieren. Inzwischen hatte sich die Kleine an ihren Platz gesetzt, blickte um sich und sagte: „Nun sind schon wieder die vielen Augen da!“ Die Königin lächelte: „Daran wird sich meine kleine Sängerin gewöhnen müssen,“ sagte sie; aber die allgemeine Aufmerksamkeit wurde jetzt abgelenkt.
Die Hofdame hatte ein paar Worte mit der Königin gewechselt und geleitete diese nun zu der Gruppe der Waisenkinder. „Du heißt Niemeier, nicht wahr,“ sagte die Hofdame zu einem zwölfjährigen Mädchen, und als diese bejahte, fuhr sie, zur Königin gewendet, fort: „Es ist die Tochter des Feuerwehrmanns, der bei dem großen Brand im vorigen Jahr das Leben eingebüßt hat. Ihre Majestät erinnern sich vielleicht, daß der Mann –“