„Das wollen wir gleich nachsehen.“ Der Pfarrer nahm seinen Taschenkalender zur Hand. „In der nächsten Woche ist die Reihe an mir.“
„O, das ist recht,“ rief Gretchen, und nun wollte sie erzählen, daß sie zu Gevatter gebeten sei. Daheim hatte sie sich gefreut, es ihm mitzuteilen, aber jetzt, da sie ihm gegenüberstand, kam es ihr plötzlich in den Sinn, daß sie für solche Würde eigentlich zu gering sei. Er, der solche Verpflichtungen so ernst nahm, konnte es gewiß nicht gut heißen, wenn man ein Schulmädchen wie sie zu Gevatter bat.
Während sie sich darüber Gedanken machte, hatte der Pfarrer gefragt: „Kennst du diese Familie?“ und Gretchen hatte ganz mechanisch geantwortet: „Ich kenne die Familie.“ Der Pfarrer sah seine Schülerin erstaunt an; er kannte sie ja so genau und merkte wohl, daß sie etwas in ihren Gedanken bewegte, etwas Peinliches, wie ihm schien. Nun aber sagte sich Gretchen: Erfahren muß er’s doch, also lieber gleich, und ganz unvermittelt kam es nun heraus: „Ich bin zu Gevatter gebeten bei dem Kind.“ „Du, Gretchen?“ fragte der Pfarrer überrascht. „Du sollst Patin werden, und du sagst mir das, wie wenn es dir gar keine Freude wäre, daß man dir dies Vertrauen erweist und dir solch ein kleines Menschenkind ans Herz legen will? Sieh, da hätte ich gedacht, das müßte dir eine wahre Wonne sein!“ „O, dann ist’s mir gleich eine,“ rief Gretchen wieder in ihrem natürlichen, fröhlichen Ton. „Ich habe nur Angst gehabt, es möchte Ihnen nicht recht sein, weil ich noch so jung bin.“
„Du bleibst ja nicht immer jung; bis das kleine Kindchen zu Verstand kommt, bist du schon kein Kind mehr, und ich glaube ganz gewiß, daß du ihm eine treue Patin wirst und schon jetzt im Gebet sein kannst. Also gratuliere ich dir, und nun mußt du mir auch sagen, woher du diese Leute so gut kennst.“
„Die Frau ist ja unsere Lene, die schon immer bei uns war; Sie haben sie auch einmal bei uns besucht, wie sie krank war.“
„Ja, ja, deiner Lene kann ich mich wohl noch erinnern, und den Kutscher Bauer sollte ich auch kennen. Ist Lene nicht seine zweite Frau? Ja, die erste habe ich während ihres langen Leidens manchmal besucht. Der Mann war sehr gut gegen sie.“
„Wie schön, daß Sie beide schon kennen!“ rief Gretchen.
„Es war auch eine alte Verwandte im Haus, die schien mir weniger angenehm.“
„Das ist die Bas; ja, die ist viel weniger angenehm,“ bestätigte Gretchen.
„Soll denn die Taufe im Haus sein?“