„Und zweitens?“ frug der Pfarrer.

„Und zweitens habe ich vorgebracht, daß Fräulein Reinwald, die Patin, schon eine Audienz bei der Prinzessin gehabt habe.“

„Und darauf haben Sie die Erlaubnis bekommen, am Tauffest die Livree zu tragen? Sie schmückt auch wirklich unsere Tafel, es wäre ja sonst die ganze Gesellschaft schwarz.“

Frau Plitt, die sich bis dahin mehr schweigend verhalten hatte, wollte jetzt auch noch etwas zur Sache sprechen: „Sein schwarzer Anzug ist nämlich nimmer gut,“ sagte sie zum Pfarrer.

Der Pfarrer und sein Gegenüber lächelten, aber der Kutscher wehrte: „Was brauchst du das zu sagen, das gehört doch nicht daher.“ Damit machte er’s nur schlimmer, denn jetzt geriet seine Frau in Eifer: „Es ist doch aber wahr! Er spiegelt schon!“ „So schweig doch!“ rief der Hofkutscher ärgerlich; aber der Pfarrer ging ganz freundlich auf die Worte der Frau ein.

„Ja, ja, Frau Plitt,“ sagte er, „das fatale Spiegeln, das kennen wir Pfarrer auch an unsern schwarzen Röcken, wenn das nur nicht wäre.“

Fröhlich ging das Gespräch hin und her, der Kutscher Bauer hatte inzwischen Wein eingeschenkt und der Pfarrer erhob sich jetzt und sagte, er müsse sich verabschieden. Aber in demselben Augenblick wurde die Türe aufgerissen und die Buben, die den Kuchen zur Base getragen hatten, stürzten herein mit dem Ruf: „Die Bas stirbt!“

In wenigen Minuten war die ganze fröhliche Gesellschaft auseinandergesprengt. Zuerst ging der Kutscher Bauer, ohne ein Wort zu sagen, hinaus. Man sah ihn durch den Hof eilen, die drei Kinder folgten ihm. Der Pfarrer erbot sich, mit Lene hinaufzugehen zu der Base. „Bleib du so lange bei dem Kind, Gretchen,“ bat Lene. „Ja, sei nur ganz ruhig,“ antwortete diese, „ich gehe nicht fort, ehe du wiederkommst.“ Der Hofkutscher und seine Frau verabschiedeten sich von Gretchen; er trank ordnungshalber noch die halbvollen Gläser aus und das Ehepaar verließ das Haus.

So blieb Gretchen ganz allein zurück. Es hat etwas Erschütterndes, wenn die Botschaft vom Tode plötzlich eindringt in den Kreis fröhlich feiernder Menschen, und so war auch Gretchen tief ergriffen. Sie stand in Gedanken versunken am Fenster und sah durch den Hof hinüber nach dem Haus, wo die alte Frau ihren letzten Kampf auskämpfte.

Eine Weile war alles still im Haus, dann machte mit leisem Stimmchen das junge Leben seine Ansprüche geltend. Drüben das Erlöschen, hüben das Erwachen. Das kleine Gretchen fing an zu schreien, und das große Gretchen ging in die Kammer, in der ihr Patenkind lag. Sie trug es heraus und wiegte es sanft in den Armen, da gab es sich wieder zufrieden. Sie setzte sich auf ein Kinderstühlchen, hielt die Kleine im Schoß und spielte mit ihren winzigen Fingerchen.