„Meinst du nicht?“ fragte Frau Reinwald.

„Das mußt du wissen, ob es für sie paßt,“ entgegnete er.

„Bei Fräulein Trölopp wird sie jedenfalls nichts lernen und sehen, was nicht nützlich wäre,“ sagte Frau Reinwald lächelnd, „und mit den Kindern wird sie sich sehr vergnügt im Freien tummeln.“

„Besonders günstig scheint es mir für des Forstrats Kind zu sein, es wird sich leichter eingewöhnen mit Gretchen. Ich weiß nicht, ob Fräulein Trölopp sich viel mit Kindern abgibt, die doch zur Zeit ‚unnütze‘ Geschöpfe sind.“

„Ja, es ist für Ruth und Gretchen gleich günstig,“ sagte Frau Reinwald. „Wie schade, daß diese gerade heute so spät heimkommt, sie will nach der Schule noch zu Elise Schönlein und mit ihr lernen. Ich kann es gar nicht erwarten, bis ich ihr den schönen Plan mitteilen kann.“

„Nun auf ein paar Stunden kommt es doch nicht an! Man sieht schon, woher Gretchen ihre Ungeduld hat,“ sagte neckend Herr Reinwald, indem er fortging.

Gretchen kam wirklich erst spät am Nachmittag heim, und dann war ihr erstes Wort zur Mutter: „Ich bin dem Vater begegnet und soll dir sagen, er habe mir schon alles von dem Brief erzählt.“ Etwas enttäuscht fragte Frau Reinwald: „Nun, und was sagst du dazu?“ „Ach, so wichtig ist mir’s nicht, wie der Vater gemeint hat; wenn auch der Buchhändler die Biographie nicht schickt –“

„Was sprichst du denn von der Biographie, von der ist doch jetzt nicht die Rede!“

„Nicht? Der Vater hat mir doch von dem Buchhändlersbrief erzählt.“

Frau Reinwald sah Gretchen mit glückverheißendem Lächeln an: „Dann weißt du freilich noch nicht alles! Es hätte mich doch auch gewundert, wenn mir der Vater die schöne Neuigkeit weggenommen hätte, er hat mich nur wieder necken wollen. Gretchen, ich weiß dir etwas ganz anderes als Buchhändlersnachrichten, da nimm und lies den Brief von der Tante!“