Und nun las Gretchen, und Frau Reinwald verfolgte mit Genuß den Ausdruck auf ihren Zügen. Zuerst nur Neugierde, dann Staunen, Freude und das höchste Entzücken!

„Mutter!“ rief sie jetzt, „was hast du da wieder Herrliches ausgesonnen! Wenn Ruth dorthin darf, muß sie ja ganz aufleben, und wenn ich sie selbst hinbringen darf und mit für sie sorgen und mit Fräulein Trölopp zusammenleben und mir von ihr erzählen lassen, Rudi und Betty haben und auf dem Land, im Gebirg sein – kann so etwas wirklich wahr werden, ist’s nicht zu herrlich?“

„Warum soll’s nicht wahr werden?“ sagte Frau Reinwald. „Freilich, Forstrats haben noch keine Ahnung davon, und es wäre ja denkbar, daß sie nicht einwilligen.“

„Sie müssen, da hilft gar nichts, sie müssen! Mutter, wann kann ich hin? Heute abend noch?“

„Morgen, morgen.“

„O warum nicht gleich?“

„Es ist ja zu spät. Auf ein paar Stunden kommt’s doch nicht an, du darfst nicht so ungeduldig sein,“ mahnte Frau Reinwald, und Gretchen wußte nicht, warum sie dabei lächelte. „Ich möchte viel lieber mit Ruths Vater reden, als mit ihrer Mutter,“ sagte Gretchen, „aber ich kann doch nicht wieder auf seine Kanzlei.“ Dafür wußte Herr Reinwald Rat, als er nach jubelnder Begrüßung seitens seiner Tochter beim Abendessen saß. „Wenn du nicht wohl auf die Kanzlei kannst, so kann ich das doch tun,“ sagte er. „Der Forstrat war ja neulich auch so freundlich, dir an Stelle seiner Kleinen die Blumen zu bringen.“ Nun war Gretchen voll der besten Zuversicht. Wenn der Vater selbst die Sache in die Hand nahm, dann mußte sie ja gelingen!

Er kam auch am nächsten Tag mit gutem Bescheid heim: der Forstrat hatte sich mit rührender Dankbarkeit über diesen Vorschlag ausgesprochen und die besten Hoffnungen an diesen Plan geknüpft. Er wollte nun nur noch mit seiner Frau und dem Arzt darüber reden und dann Antwort bringen.

Diese Antwort wurde am nächsten Tag mit großer Ungeduld von Gretchen erwartet. Frau Reinwald war allein zu Hause, als der Forstrat kam.

Sie empfing mit freundlicher Teilnahme den Mann, den sie noch nie gesehen hatte, und von dessen Familienleben sie schon so viel wußte. Er hatte kaum ihrer Aufforderung, Platz zu nehmen, Folge geleistet, als er kurz und fast mit rauher Art sagte: „Aus dem schönen Plan wird nichts, meine Frau will nicht.“ Frau Reinwald sah ihn sehr enttäuscht an. „Aber warum denn nicht?“ fragte sie in ganz schmerzlichem Ton.