So herzige Erzählungen aus dem Kinderleben, so lebensvolle und reizvolle Schilderungen aus dem häuslichen Kreise, rührend und voll schalkhaftem Scherz, wie die Verfasserin des „ersten Schuljahrs“ sie schreibt, sind selten. Das Schönste aber, was ich von ihr gelesen zu haben meine, ist „Das kleine Dummerle“, bei dem es nur schade ist, daß seine Geschichte so frühe endet. Die elf andern Geschichten sind teils kurz, teils länger, alle „zum Vorlesen“ im Familienkreis, bei häuslicher Geselligkeit gedacht. Gerade hiefür ist es geschickt, die Wahl zwischen langen und kurzen, ernsten und heiteren, sicherlich aber schönen und anziehenden Erzählungen zu haben.

Ev. Kirchenblatt f. Württ.

Erziehen oder Werdenlassen? 1.-5. Tausend. 326 Seiten. In Leinwand gebunden M. 4.–.

Das ist das Erquickende an A. Sappers Buch, daß sie bei aller Würdigung der weiblichen Berufswahl und bei ihrem feinen Verständnis für jede Eigenart stets das Familienleben in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung stellt. Um diesen Kernpunkt kristallisieren sich Eltern- und Kinderliebe mit dem Streben nach Wahrheit und Harmonie und dem Endziel, tüchtige, wahrhaftige, selbständige Menschen heranzubilden, die sich über uns, die Erzieher, hinaus entwickeln.

Beilage zum „Hamburger Correspondenten“.

Wer die Verfasserin aus der „Familie Pfäffling“ kennt, kann sich ohne weiteres denken, daß er in diesem Buch nicht etwa eine langweilige Abhandlung über die Begriffe „Erziehen“ und „Werden lassen“, überhaupt keine Theorie der Pädagogik finden wird. Vielmehr bietet diese Schrift den Niederschlag der gesamten erzieherischen Erfahrung, die eine hellblickende Mutter im eigenen und in fremden Häusern gesammelt und gesichtet hat. Ohne jede Enge und aufgeschlossen für alles Gute, alt oder neu, läßt sich die Verfasserin doch von keinem noch so modernen Erziehungsideal blenden, sondern prüft mit nüchternem Blick die verschiedenen Grundsätze nach ihren tatsächlichen Früchten in der Kinderstube und im Menschenleben. Dabei sieht sie, daß die Menschen am tüchtigsten und glücklichsten sind, die früh gelernt haben, sich zu schicken und auf andere Rücksicht zu nehmen, und darum zieht sie dem Grundsatz des „Werdenlassens“ vielfach energische Schranken, so sehr sie auf der anderen Seite alles Gute frei werden lassen und der reiferen Jugend eine selbständige Entfaltung gewährleistet wissen möchte. Die überzeugende Kraft dieses Standpunktes beruht nicht zum mindesten auf dem reichen Material von anschaulichen Beispielen aus der Erfahrung, wie sie nur eine Mutter geben kann, die weiß, daß Erziehung vor allem Kleinarbeit ist, und die darum auch für das scheinbar Geringfügige einen Blick hat. Während mancher geistvolle Satz Lhotzkys und anderer den Leser zwar packt, aber praktisch in Ungewißheit darüber läßt, was nun in einem bestimmten Fall zu tun ist, liegt der Wert des Sapperschen Buches gerade in dem Gefühl der Sicherheit, das es durch seine fortwährende Bezugnahme auf die bunte Mannigfaltigkeit des alltäglichen Lebens verschafft. So wird, wer seine Pflicht gegenüber den Kindern ernst nimmt, mit Freuden und Spannung zu diesem Buche greifen und reichen Gewinn davon haben.

Werden und Wachsen. Erlebnisse der großen Pfäfflingskinder. 11.-15. Tausend. In Leinwand geb. M. 4.–.

Wollen die Leser ein recht erquickliches, lebenswahres und doch sonnenfrohes Buch lesen, so raten wir ihnen zu Agnes Sappers neuestem Opus: „Werden und Wachsen“ usw. Die Jugend der Pfäfflingskinder hat uns Sapper in der früher erschienenen reizenden „Familie Pfäffling“ beschrieben und damit viele Menschen ergötzt. Aber weit darüber steht das vorliegende Buch. Etwas Köstlicheres, ebenso reich an Humor wie an Lebensweisheit, haben wir selten gelesen. Die Verfasserin führt uns in kerngesundes, deutsches Familienleben; obenan steht der rasche, allezeit heitere und warmempfindende Hausvater, der Musikdirektor Pfäffling, neben ihm die kluge Hausmutter mit ihrem fraulichen Takt und treumütterlichen Herzen. Die Kinder wurzeln tief im Familiengeist und der Familienliebe. Aber nun kommt das spannende Problem: Sie werden groß und müssen in die Welt hinaus. Jedes Kind hat andere Lebensneigungen, und daraus entstehen allerlei Elternsorgen. Der eine Sohn will nach Afrika, der andere kann absolut keinen passenden Lebenslauf finden, der dritte nimmt sich eine unpraktische Künstlerin zur Frau. Bei den Töchtern treten die ernsten Lebensfragen der Verheiratung auf. Und über das alles stirbt mitten hinein der Vater, und die Mutter steht als Witwe da. Kurz, lauter Probleme, die fast in jede Familie eindringen und schwere Stunden hervorrufen. Aber in der Familie Pfäffling lösen sich die Probleme immer wieder zu hellem Sonnenschein; und ist gar keine Künstelei dabei. Am Schluß erfahren wir den Hauptgrund: Die Mutter wurzelt im Vertrauen auf Gott. Aber man muß das Buch selbst lesen. Es verdient eine Prämie für den heurigen Weihnachtsmarkt.

Ev.-Luth. Kirchenzeitung.

Die groß gewordenen Kinder des Musiklehrers Pfäffling können sich nach innerem Drang entfalten und sie dürfen einen Beruf wählen, der ihnen zusagt und Freude bringt, in dem Bewußtsein: du leistest hier Gutes. Alles Wichtige wird mit der Jugend beraten, nichts erzwungen. Das Elternpaar, vor allem die zartfühlende und doch kluge Mutter, steht im Vordergrunde. Den Willen stärken, schwächliche Sentimentalität niederkämpfen, das ist die nicht ausgesprochene, aber zwanglos offenbarte Tendenz des Buches, für das man der Verfasserin viel Dank schuldet.