„Die tut’s nicht.“
„Und Sie wollen kein gutes Wort geben, das merke ich schon,“ sagte Frau Reinwald, „aber Sie sind doch alt und krank und möchten gewiß Frieden machen mit Gott und den Menschen oder nicht?“
Die Alte blieb die Antwort schuldig.
Frau Reinwald faßte sie an der Hand und sagte bittend und dringend: „Geben Sie der Lene ein gutes Wort, wenn sie den Stuhl bringt?“
„So bin ich nicht, daß ich das nicht täte.“
„Das ist recht,“ sagte Frau Reinwald, „ich muß jetzt fort, aber ich komme bald wieder; ich habe eine wollene Decke, die recht weich und warm ist, die bringe ich Ihnen mit oder schicke sie durch meine Tochter her.“
Frau Reinwald ging und kehrte noch einmal bei Lene ein. „Was hat die Bas alles über mich gesagt?“ fragte Lene; „die wird bös über mich losgezogen haben.“
„Sie hat Gichtschmerzen, Lene, das weißt du; sie hätte so gern euern alten Lehnstuhl, an den sie gewöhnt war. Wenn du ihr ihn bringen würdest; ihr braucht ihn ja nicht. Die paar Jahre, die sie noch lebt, könnt ihr ihn der Frau wohl leihen. Sie hat gemeint, du würdest das nicht tun; aber ich meine, du tust es.“
„Sie hat’s gerade nicht um mich verdient.“
„Nein, aber wenn du’s bedenkst, Lene, so wirst du sagen müssen: die alte Frau ist zu bedauern. Ganz allein, Tag und Nacht Schmerzen, keine Bequemlichkeit, keine Freude – der Lehnstuhl wäre eine Freude, eine große; an dem Tag dürftest du die Buben ruhig zu ihr lassen, da würde sie nichts Böses über dich sagen. Sie könnten dir den Stuhl tragen helfen; sie sollen sehen, daß du ihrer Bas gern eine Wohltat erweist. Es würde auch deinen Mann freuen, oder nicht?“