Gretchen stockte und errötete.

„Was ist’s?“

„Mit den Schulhandschuhen kann ich nicht Besuch machen, sie sind zerrissen,“ sagte Gretchen etwas verlegen.

„Das sollte nie sein, Gretchen; fünf ausgebesserte Finger an jedem Handschuh, wenn du willst, aber keinen zerrissenen.“

„Ich renne zu Hermine hinauf und lasse mir ihre Handschuhe leihen; die wohnt ja in der Nähe.“

„Nein, Kind, du gehst heim, wie ich gesagt habe; das Widersprechen ist eine unfeine Gewohnheit, die ich dir schon öfters getadelt habe. Und nun geh zu deinen Eltern und laß dir von ihnen raten.“

Gretchen reichte Fräulein von Zimmern die Hand und sagte bewegt: „Bitte, verzeihen Sie mir doch, es ist mir ja so leid.“

„Das weiß ich und ich verzeihe dir, mein Kind. Du hast einen sauern Gang vor dir, das wollen wir als Sühne betrachten.“

Gretchen eilte heim. „Ist die Mutter zu Hause und kein Besuch bei ihr?“ fragte sie Franziska, die ihr die Türe öffnete. „Sie ist zu Hause und ich darf auch keinen Besuch einlassen, weil Frau Reinwald heftiges Kopfweh hat.“ Dies war für Gretchen eine unwillkommene Mitteilung. Sie mochte die Mutter, wenn sie leidend war, nicht aufregen; aber dann blieb ihr nichts anderes übrig, als mit dem Vater zu sprechen.

Sie überlegte. Viel lieber hätte sie mit der Mutter gesprochen, aber nein, das ging nicht an; also nur keine Zeit verlieren! Sie überwand die Scheu und trat bei ihrem Vater ein. „Darf ich dich stören, Vater, ich habe eine schlimme Geschichte angestellt und möchte sie der Mutter ersparen, solange sie Kopfweh hat.“ Herr Reinwald legte die Feder aus der Hand. „Was ist’s?“