Niemand als Hermine Braun erfuhr den Zusammenhang. Mit ihr wandelte Gretchen manchmal in der Pause auf den großen Gängen des Schulhauses in traulichem Gespräch auf und ab, und so auch heute wieder. „Gretchen,“ sagte Hermine, nachdem sie zuerst mit aller Teilnahme die Erlebnisse der Freundin angehört hatte, „ich habe Angst, daß Ottilie zwischen uns kommt!“

„Wie so?“

„Daß sie die Zweite wird und du die Dritte. Sie ist mit der Handarbeit weiter als du, und sie hat in den meisten Fächern seit dem Herbst ebenso gute Noten wie du.“

„Woher weißt du das nur immer so genau? Ich weiß es nie.“

„Weil du dich immer nicht darum kümmerst; mir wäre es aber ganz schrecklich, wenn wir nicht noch das letzte Schuljahr hindurch wie die zwei vorigen nebeneinander säßen. Du mußt die zweite bleiben, du darfst Ottilie nicht über dich hinaufkommen lassen!“

„Ich muß mich immer so riesig anstrengen, damit ich neben dir bleibe,“ sagte Gretchen. „Du könntest auch einmal herunterrutschen, dann hätte ich’s bequemer. Ottilie die erste, du die zweite, ich die dritte, so wären wir auch wieder nebeneinander, und das wäre zur Abwechslung ganz nett.“

„Das kannst du aber im Ernst nicht von mir verlangen, ich müßte ja absichtlich Fehler machen!“

„Das denke ich mir ganz leicht, oder nicht?“

„Aber Gretchen, wie kannst du so etwas nur sagen, das geht doch nicht!“

„Nun, dann muß ich mich eben wieder anstrengen, aber hab ich denn nicht im englischen Diktat bloß einen Fehler gehabt und Ottilie drei?“