„Du möchtest also gerne?“ frug der Vater dagegen.

„Natürlich möchte ich, Vater; noch gar nie ist ja so etwas an mich gekommen, und ich habe es mir ja längst gewünscht!“

„Gar so angenehm wird das nicht sein, mit den Kindern wirst du deine Not haben, der Onkel ist nicht viel daheim und die Tante ist im obern Stock.“

„O, das macht gar nichts, dann schließen sie sich besser an mich an; Mutter, gelt, es wird gehen?“

„Ich meine, es muß gehen,“ sprach die Mutter, „wenn die Tante sich so in der Not an uns wendet. Sie bekommt nicht so leicht eine Hilfe, wenn man hört, daß Scharlach im Hause ist; viele Mädchen fürchten die Ansteckung, du aber hast die Krankheit erst vor zwei Jahren durchgemacht und bist wohl sicher davor. Sieh, ich meine, der Vater zieht schon den Fahrplan aus der Tasche.“

„Ja wirklich,“ rief Gretchen sehr erfreut; „Mutter, nimm mir’s nicht übel, wenn ich mich so über den Scharlach freue; es tut mir ja schrecklich leid für Hugo und für die Tante, aber für mich ist’s herrlich!“

„Nun, dann kannst du ja die Reise als Weihnachtsgeschenk betrachten, wenn du etwa nicht zum heiligen Abend hierher zurückkommst,“ meinte der Vater.

„Doch, zum heiligen Abend kommt sie!“

„Doch, da komme ich,“ riefen gleichzeitig Mutter und Kind.

„Ich hoffe auch,“ sprach der Vater. „Und nun meine ich, wir telegraphieren der Tante, daß du morgen früh um zehn Uhr mit dem Schnellzug kommst. Bei diesem Zug hast du gar keinen Wagenwechsel, jedes Kind könnte da allein reisen, und daß du morgens einmal um fünf Uhr aus den Federn schlupfen mußt, wird dir nichts schaden.“