Gretchen sah den Onkel erstaunt an; sie wußte nicht, ob das Scherz oder Ernst sei. Er lachte. „Das ist dir wohl ganz fremd; was macht ihr denn, wenn euch das Geld ausgeht?“

„Das weiß ich nicht,“ sagte Gretchen. „Es ist, glaube ich, immer welches da.“

„So? Dann ist’s bei euch anders als bei uns, da wechselt Ebbe und Flut. Aber in Zeiten der Flut geht es hoch her, das heißt, soweit es deine Tante erlaubt; sie legt dann zurück für die Zeiten der Ebbe. Wenn ich dann nichts mehr habe, hat sie immer noch etwas. Ja, deine Tante, die hält das Haus zusammen! Ist’s bei euch nicht so?“

„Von Geld weiß ich gar nichts, Onkel, ich habe die Eltern noch nie darüber reden hören.“

„Ach so, dann hätte wohl auch ich gar nicht davon reden sollen, Susi wird mich zanken. Überhaupt, sie hat gesagt, ich soll vor allem für deine Erquickung sorgen; hier hat Rieke etwas hergerichtet für dich, sieh, ob du etwas davon brauchen kannst. Setze dich, laß dir’s wohl sein, und ihr Kinder,“ sagte er, indem er sich an die Kleinen wandte, die neugierig dabei standen, „seid tugendhaft und plagt eure Cousine nicht zu Tod, solange ich fort bin; verstanden?“

„Gehst du aus, Onkel?“

„Ja,“ sagte Herr van der Bolten, „jetzt kann ich ja getrost wieder in mein Atelier, weil ich das kleine Volk versorgt weiß; nun sieh eben, wie du dich durchschlägst, mir ist alles recht, wie du es machst!“

Herr van der Bolten ging.

Gretchen wäre es doch lieber gewesen, wenn der Onkel ihr einige Anweisungen gegeben hätte. Wie sollte sie das kleine Volk versorgen?

Nachdem sie sich unter Beistand der Kleinen etwas gestärkt und den Tisch abgeräumt hatte, wußte sie nicht recht, was sie tun sollte, auch nicht, wo sie eigentlich hingehörte, welches Zimmer für sie bestimmt war. Sie hätte gerne ihr kleines Gepäck ausgepackt.