„So machen Sie sich’s eben leichter, Rieke,“ sagte Herr van der Bolten gutmütig.

„Das ist schnell gesagt, aber wie sieht’s dann aus im Haus? Spinnweben in allen Ecken!“

„Spinnweben? Das ist etwas sehr Malerisches, Rieke, die lassen Sie nur alle stehen und wühlen Sie nicht immer im Staub. Setzen Sie sich manchmal ein Stündchen hin und sehen Sie die illustrierten Zeitschriften an, dann werden Sie gleich heiterer aussehen.“

Gretchen machte große Augen bei diesem Vorschlag, Rieke fast noch größere. „Ach,“ rief sie, „der gnädige Herr versteht doch schon rein gar nichts!“ und damit ging sie hinaus. Herr van der Bolten lachte nur, er nahm das nicht übel.

Kaum war das Essen abgetragen, als er das Klavier aufschlug und ein paar laute Akkorde spielte. „Das ist unser Signal,“ erklärten die Kinder, „Mama hört es droben in der Krankenstube und dann kommt sie an das Kammerfenster und schaut zu uns herunter in den Hof.“

Die ganze Gesellschaft begab sich nun hinunter, Gretchen mit Betty an der Hand. Die Kleine hatte vielleicht am meisten von den Kindern die Mutter vermißt, denn sie kam nicht recht zur Geltung neben den Brüdern, und nun gab sie sich gerne unter den Schutz von Gretchen und schmiegte sich innig an diese.

Drunten im Hof war’s kalt. „Ich hätte den Kleinen etwas Warmes anziehen sollen,“ sagte Gretchen und war eben daran, Betty das Taschentuch um den Hals zu binden, als die Kinder riefen: „Die Mama!“

Im obern Stock war ein Fenster geöffnet worden, freundlich winkend und grüßend sah Frau van der Bolten herunter, und die kleine Betty streckte verlangend die Arme nach ihr aus. Gretchen hatte die Tante anders in Erinnerung gehabt, sie war eine schöne, blühende Frau gewesen, und jetzt sah sie zart und schmächtig aus, fast wie Frau Reinwald, deren Schwester sie war.

Sie erinnerte Gretchen so lebhaft an die Mutter, daß sie fast ebenso verlangend hinaufblickte wie die Kleinen.

„Wie gut, daß du gekommen bist!“ rief die Tante.