„Törichtes Kind, wer spricht von Stunden? Sie wußten, daß ich frei über meine Zeit verfüge, und hätten mich zur Hilfe bitten sollen.“

„Das hätte ich mir nicht getraut; ich glaubte, Sie seien Lehrerin?“

„Freilich bin ich Lehrerin, aber vor allem bin ich ein Mensch, der gern etwas Nützliches tut. Singen oder kehren, spanisch lehren oder kochen, das gilt mir ganz gleich, wenn es nur gerade im Augenblick nützlich ist.“

„Aber,“ sagte Gretchen ehrlich, „wir kennen Sie ja gar nicht.“

„Das ist richtig, aber deshalb habe ich Ihnen schon in der Bahn gesagt, daß mich General X. empfiehlt. Haben Sie es Ihrem Onkel nicht erzählt?“

„Alles habe ich ihm erzählt, nur den General habe ich vergessen.“

„Dann haben Sie das Wichtigste vergessen. Wenn man, wie ich hier, ganz fremd und überdies von der Natur so ausgestattet ist, daß man mehr einem Frosch als einem Menschen gleicht, dann braucht man schon die Empfehlung einer Exzellenz! Aber nun hören Sie, wie das gemacht werden muß. Sie sprechen jetzt gleich mit Ihrem Onkel, sagen ihm, daß ich morgen zu ihm komme und sein ganzes Hauswesen übernehme, und zwar muß das so eingerichtet werden: die zwei jüngsten Kinder müssen sofort aus dem Haus, die nehmen Sie mit heim zu Ihren Eltern, morgen mit dem Nachmittags-Schnellzug. Ihre Eltern sind gesund, nicht wahr?“

„Ja, aber –“

„Gut; sobald Sie mit den Kindern abgereist sind, zieht Ihre Tante herunter aus ihrer Verbannung; die zwei Kranken trage ich in Decken gehüllt herunter, das schadet ihnen nicht im geringsten. Ich helfe die Kranken pflegen und pflege zugleich das arme Frauchen, denn das kenne ich schon: die Kinder sind nach einem Vierteljahr wieder auf dem Damm, aber die Mütter, die bringt man schwer in die Höhe, wenn sie erst einmal recht drunten sind! Dem Dienstmädchen werde ich das Kochen für die Kranken abnehmen, denn es war die letzten Wochen überarbeitet, dann werden sie mürrisch und kündigen zur Unzeit; das können wir nicht brauchen. Und nun sagen Sie mir, welchen Beruf hat Ihr Onkel?“

„Er ist Künstler, Landschaftsmaler.“