Gretchen war freudig überrascht. „So gehst du zu General X.?“ fragte sie. „Wozu soll ich erst noch zu dem General gehen? Wenn mir jemand sagt: ‚ich komme euch zur Hilfe, und noch dazu umsonst,‘ dann antworte ich: ‚je eher, je lieber.‘“ „Aber Onkel, eines muß ich dir doch sagen, Fräulein Trölopp sieht anders aus, als du sie dir vorstellst, sie ist gar nicht schön.“
„Ich muß sie ja nicht malen,“ war die heitere Antwort.
Gretchen war hoch beglückt, daß ihr Onkel ohne jegliche Bedenken auf den Plan einging, aber weil er sich die Sache gar nicht weiter überlegte, kam es ihr vor, als hätte sie dann die ganze Verantwortung. „Onkel,“ sagte sie, „wollen wir nicht die Tante vorher fragen?“
„Ja freilich, da hast du recht, das soll gleich geschehen.“
Um zwölf Uhr war Herr van der Bolten auf dem Weg zu General X. Seine Frau hatte doch allerlei Bedenken vorgebracht gegen Gretchens Reisebekanntschaft und wollte sicher gehen. Gretchen war äußerst gespannt auf das Resultat der Unterredung. Herr van der Bolten blieb lang aus, Rieke brummte. Sie ahnte nicht, daß die Sache, die ihren Herrn abhielt, rechtzeitig zum Essen zu kommen, sie so nahe anging. Endlich ertönte das wohlbekannte dreimalige Glockenzeichen. Gretchen war es ordentlich bang, da die Entscheidung nahte. Rudi und Betty sprangen ihrem Vater entgegen. „Papa, wir haben so lange gewartet und wollten nicht ohne dich essen, du kommst so spät!“
„So?“ sagte Herr van der Bolten und hob seine Kleinste zärtlich auf seine Arme. „Habt ihr hungern müssen? Da geht ihr lieber zu Papa Reinwald, der kommt pünktlich zum Essen, wollt ihr zu ihm, gleich morgen?“
Die Kinder wußten nicht, was sie von dieser Frage halten sollten, aber Gretchen verstand. „O Onkel,“ rief sie, „wird denn etwas daraus? Ich vergehe ja vor Ungeduld! Was hat denn der General gesagt?“
„Nur Gutes, Gretchen. Er meinte, wir könnten uns gratulieren, wenn sie zu uns käme. Die Dame hat sich in den verschiedensten Stellen in Südamerika glänzend bewährt. Sie ist in den vornehmsten Häusern mit Tausenden von Dollars bezahlt worden und hat ebenso bei den Ärmsten freiwillig ausgeholfen und die Tausende in ihren Hütten gelassen. Sie soll ein praktisches Genie sein, von großartigen Anlagen des Geistes und Gemütes. Nur das Äußere muß allerdings ganz zu kurz gekommen sein, auch der Geschmack für die Kleidung. Aber was kümmert uns das?“
„Also willst du sie bitten, Onkel?“
„Natürlich, fußfällig wenn es sein muß! Aber Gretchen, das wichtigste ist jetzt, wie wir uns die Erlaubnis deiner Eltern verschaffen, ihnen diese kleinen Rangen zu bringen?“