„O, da bemühe du dich gar nicht mit, Onkel! Wenn du zu Fräulein Trölopp gehst, so sagt sie dir gleich, wie und wo wir telephonieren müssen, sie nimmt alles in die Hand!“
Noch am Mittagstisch erhielt Gretchen ein Antwort-Telegramm auf ihre Anfrage, ob sie bleiben dürfe: „Ausharren so lange als nötig!“
Rieke, die von den neuesten Plänen nichts wußte, war die einzige, die noch mit Spannung auf den Inhalt dieses Telegramms wartete. Gretchen sah ihr an, daß sie nur ungern aus dem Zimmer ging, ehe es gelesen war, deshalb sandte sie bald darnach Rudi vom Tisch weg in die Küche, wo er ganz nett seinen Auftrag ausrichtete: „Rieke, du darfst am Christfest in die Kirche und am Feiertag spazieren gehen.“ Und Riekes Antwort? „Es seien noch Orangen in der Speiskammer, ob sie die nicht zum Nachtisch bringen dürfe, Fräulein Gretchen habe noch nie etwas Gutes bekommen!“
Während Gretchen in dem festen Vertrauen, daß Fräulein Trölopp alles ins reine bringen werde, seelenvergnügt ihrer Abreise entgegensah, herrschte in ihrem Elternhause trübe Stimmung. „Wollen wir denn den Christbaum putzen, wenn doch unser Kind nicht zum Fest kommt?“ fragte Frau Reinwald ihren Mann.
„Putze ihn immerhin, vielleicht kommt sie bis Neujahr und freut sich dann noch daran.“
„Ich denke mir, daß sie am heiligen Abend recht Heimweh bekommt.“
„Ich hätte es auch gedacht, doch heißt es in ihrem Telegramm: ‚darf ich bleiben‘, so scheint sie sich doch der Verlängerung zu freuen.“
Frau Reinwald schüttelte den Kopf. „Es heißt allerdings so, aber doch glaube ich, daß sie sich von ganzem Herzen sehnt, Weihnachten mit uns zu feiern.“
Franziska trat ins Zimmer und meldete Herrn Reinwald: „Der Hausherr läßt sagen, daß jemand aus N. am Telephon nach Ihnen fragt.“
„Das wird Gretchen betreffen,“ sagte Herr Reinwald und ging hinunter zum Hausherrn.