Franziska, die nun draußen in der Küche waltete, war nie grob, nein, sie hatte feine Manieren und redete Gretchen mit „Fräulein“ an; aber Gretchen schien es doch, als ob sie ein wenig spöttisch gegen das junge Fräulein wäre, das sich bisher noch wenig um die Hausarbeit gekümmert hatte. So war es ihr unbehaglich zumute, als sie hörte, daß sie in der nächsten Woche zum erstenmal mithelfen sollte beim Wäsche legen und bügeln. Aber die Mutter machte ihr Mut: „Du bist ja nicht allein mit Franziska,“ sagte sie, „ich bin auch dabei. Wie schnell wird künftig alles erledigt werden, wenn meine große Tochter mithilft! Darauf habe ich mich schon gefreut, wie du noch ein ganz kleines Dirnchen warst!“
„Wirklich?“ fragte Gretchen, „dann muß es freilich nett werden, und ich freue mich darauf, trotz Franziska!“
Zweites Kapitel.
Lene.
In den nächsten Tagen, als Gretchen eben von der Schule heimkam, sagte Frau Reinwald zu ihr: „Du hast einen lieben Besuch versäumt, Frau Bauer war da.“
„Frau Bauer? Die kenne ich gar nicht.“
„Die kennst du nicht? Deine Lene?“
„Lene! Ach, wie sonderbar, daß man nun Frau Bauer zu ihr sagt! Wie geht es ihr denn? was hat sie erzählt?“
„Mir scheint, es geht nicht sonderlich gut, sie hat viel Schwierigkeiten, und als sie davon erzählte, kamen ihr sogar die Tränen.“
„O, wenn Lene einmal weint, dann muß es schon recht arg sein! Ist denn ihr Mann nicht gut gegen sie?“
„Doch, der Mann wohl, aber du weißt ja, daß er Kutscher ist und fast immer auf der Fahrt, dann ist Lene allein mit den drei Kindern, die sie angetreten hat, und die machen ihr das Leben recht sauer. Es sind drei wilde, verwahrloste Buben und überdies scheinen sie gegen Lene aufgehetzt zu werden. Es wohnt eine Verwandte, eine alte Base, wie Lene sagt, in der Nähe, die besorgte vorher den Haushalt und war gegen die Heirat. Die legt nun alles böse aus, was Lene tut.“