„Lene soll sie doch nicht mehr ins Haus lassen!“
„Sie kommt auch nicht, aber sie lockt die Kinder zu sich und fragt sie aus. Wenn Lene ihre Wohnung schön rein und ordentlich macht, wie sie es bei uns gewöhnt war, und nicht leiden will, daß die Kinder alles gleich wieder schmutzig machen, dann heißt es: ‚Die Base sagt, du seiest eine Putznärrin‘; wenn Lene sparen will, dann heißt man sie geizig, und wenn sie die Buben zurechtweist, dann sagen sie: ‚Wärest du nicht zu uns gekommen, wenn wir dir nicht recht sind!‘“
„Aber Mutter, das ist ja ganz empörend, nein, unsere gute Lene so zu behandeln! Die sind es gar nicht wert, daß sie sie bekommen haben!“
„Das mußte ich auch denken. Wie sollten sie glücklich sein, daß ihr verwahrlostes Hauswesen in Ordnung gebracht wird!“
„Ja,“ sagte Gretchen, „und gegen die Kinder ist sie gewiß immer gut. Weißt du noch, Mutter, wie sie sich um mich angenommen hat, wie du krank warst? Sie hat mit mir gespielt und mir Geschichten erzählt und ganz für mich gesorgt. So macht sie es gewiß auch mit den drei Buben, die jetzt doch ihre Kinder sind, und die sind so undankbar! Was hast du denn Lene zum Trost gesagt, Mutter?“
„Leider ist uns ein Besuch dazwischen gekommen, und ich konnte ihr nur noch versprechen, daß wir bald und oft nach ihr sehen würden. Du könntest manchmal nach deiner Nachmittagsschule zu ihr hingehen, von der Schule aus ist’s nicht mehr so weit.“
„Ja, das tue ich. Wenn dann nur die drei wilden Buben aus dem Weg wären!“
„Die sitzen wohl nachmittags nicht viel daheim, du wirst Lene leicht allein treffen.“
„Ich gehe zu ihr, so bald ich kann!“ Gretchen konnte ihre Gedanken gar nicht mehr von Lene losbringen, und ganz empört erzählte sie mittags dem Vater, was sie gehört hatte. Herr Reinwald beschwichtigte. Er meinte, aller Anfang sei schwer, sie würden sich allmählich schon besser zusammenleben.
„Aber die wilden Buben!“ rief Gretchen.