Auf dem Heimweg von der Schule konnten Gretchen und Hermine endlich ungestört besprechen, was sie beide ganz erfüllte. Sie wollten so gerne dem armen Fräulein aus ihrer Not helfen, aber wie sollten sie das tun ohne Wissen der Eltern?
„Wenn sie doch nicht verlangte, daß wir es geheim halten,“ rief Gretchen, „es ist doch keine Schande, arm zu sein. Warum erzählt sie es nicht Fräulein von Zimmern und warum dürfen wir nicht zu Hause für sie bitten?“
„Ich weiß es auch nicht, aber ich denke, es steckt ein großes Geheimnis dahinter; sie will ja auch uns nichts über ihre Familie sagen. Sie ist im Unglück und natürlich unverschuldet. Ach, wie hat sie mich gedauert, wie sie so die geschenkten Brocken aß. Gretchen, wir müssen helfen!“
„Heimlich?“
„Ja heimlich, wenn’s nicht anders geht.“
„Ich muß immer denken, das ist unrecht.“
„Aber Gretchen, ich begreife dich gar nicht, es ist doch nicht unrecht, wenn wir einer Armen Gutes tun, ohne daß es unsere Eltern wissen!“
„Doch, ich meine, es ist unrecht.“
„Warum denn aber?“
„Ich weiß nicht warum, so etwas spürt man bloß.“ Hermine wurde nachdenklich. Eine Weile waren die Freundinnen still nebeneinander hergegangen, da rief Gretchen: „O, ich weiß etwas. Wir fragen in der nächsten Stunde unsern Pfarrer, ob man heimlich Gutes tun darf!“