Rudi: Schläfst du schon, Betty? Warum sagst du nichts mehr? Weinst du? Ich kann’s gar nicht leiden, wenn du weinst.
Betty: Ich auch nicht, aber ich muß.
Rudi: Warum mußt du denn weinen?
Betty: Weil du mir einen Monat lang nichts mehr sagst, und weil ich so dumm bin, und weil ich nicht weiß, was besser schmeckt als Rahmtorte.
Rudi: Betty, hör auf zu weinen, dann sag ich dir etwas, aber du darfst es niemand sagen: Ich weiß halt selbst nicht, was besser schmeckt als Rahmtorte, sonst hätte ich dir’s schon gesagt. Aber wenn Gretchen von der Königin heimkommt, dann fragen wir sie gleich.
Betty: Ja, und ich sag dir morgen alles, wenn ich etwas weiß. Meine Woche ist jetzt vorbei.
Rudi: Mein Monat ist auch vorbei. Gute Nacht, Betty, du bist nicht so arg klein und dumm.
Betty: Ich muß jetzt auch nimmer weinen. Gute Nacht, Rudi.
* * *
Es war fünf Tage vor dem Fest. Frau Reinwald richtete alles zu, was für die Kleidermacherin nötig war, die am nächsten Tag erwartet wurde. Gretchen sollte noch einige Besorgungen machen, die sie in die Nähe von Hermine führten, und sie wollte diese bitten, mit ihr zu gehen, wie das die Freundinnen im Brauch hatten. Sie traf Hermine nicht zu Hause, aber da diese jeden Augenblick heimkommen konnte, wollte Gretchen auf sie warten. Sie ging in das Wohnzimmer, wo Frau Braun und drei von Herminens Geschwistern sich aufhielten. Frau Braun begrüßte sie freundlich wie immer, hingegen nahm es sich wenig freundlich aus, daß Herminens dreizehnjähriger Bruder bei ihrem Eintritt vom Tisch aufstand und ohne Gruß das Zimmer verließ. Gretchen, die sich in diesem Familienkreis ganz daheim fühlte, fragte unbefangen: „Was hat denn Richard, warum läuft er hinaus, wenn ich komme?“ „Ich weiß nicht, was er hat,“ sagte Frau Braun und wollte das Gespräch auf etwas anderes bringen. Aber Otto, der jüngere Bruder, sagte: „Ich weiß wohl, was Richard hat, er ist bös auf Gretchen wegen der Einladung in die Residenz.“ „Ist es ihm so leid, daß Hermine nicht hinkommt?“ fragte Gretchen. „Ja, aber es ist kindisch und töricht von ihm, deshalb auf dich zu zürnen, du bist ja die ganz unschuldige Ursache. Man muß ihn damit entschuldigen, daß es ihm am meisten leid tut von uns allen.“ „Papa tut’s doch noch mehr leid,“ entgegnete Otto.