Pierre verstand nicht die deutschen Worte, in denen der Offizier seinen
Leuten die Bekanntschaft erklärte und ahnte nicht, daß er sagte:
„Vorsicht! Es kann eine List sein, mit der man uns in irgend einen
Hinterhalt locken will. Bleibt nahe bei mir! Solange wir das Kind vorne
haben, werden sie schwerlich auf uns schießen.“

Nun kamen sie den Häusern ganz nahe. „Dort ist meine Mutter,“ sagte
Pierre und vom Haus aus sahen alle die Geängstigten, daß Pierre den
Soldaten den Weg zu ihnen wies. Pierre wollte nun vorausspringen.

„Bleib bei mir, kleiner Freund,“ rief der Leutnant und hielt den Knaben fest. Da sah dieser betroffen auf.

„Hab' keine Angst, wir tun niemand etwas, wenn sie uns nichts tun. Aber bis ich das weiß, mußt du bei mir bleiben.“

Das kluge Bürschlein verstand sofort, wie das gemeint war. Wußte er doch selbst, daß dem Buckligen nicht zu trauen war. Der Kleine mußte den großen Offizier schützen.

Nun waren sie am Haus. Das Kind an der Hand, trat der Leutnant ein, gefolgt von seinem Trupp. Er machte die Stubentüre auf, sah vor sich ein paar Männer und eine ganze Anzahl Weiber und Kinder, die sofort anfingen zu schreien, wie wenn sie schon am Spieß steckten.

Der Leutnant rief mit fester, lauter Kommandostimme: „Wir kommen nicht als Feinde in euer Haus. Keinem wird ein Haar gekrümmt, wenn ihr nicht feindlich gegen uns seid. Wenn aber irgend etwas gegen uns geschieht, wird sofort auf euch geschossen und die Häuser verbrannt!“

Totenstille herrschte jetzt. Da wagte doch Pierre's Mutter ein Wort: „Mein Kleiner hat uns schon gesagt, daß der Herr so gut ist und niemand wird etwas Feindseliges tun.“—„Nein, niemand,“ betätigte der Chor der Weiber. Aber das scharfe Auge des Offiziers hatte im Hintergrund den bösen Blick des Buckligen gesehen und—eine Pistole in seiner Hand. „Die Pistole weg oder ihr seid alle des Todes!“ Die Weiber kreischten auf vor Schrecken, aber der Bucklige hatte die Pistole schon auf den Tisch gelegt und lächelnd entschuldigte er sich: „Pardon, es war nur Zufall, ich wollte nichts mit der Pistole, wirklich nicht, im Krieg hat man eben seine Waffe bei der Hand!“

Der Offizier ging an den Tisch, nahm die Pistole zu sich und sagte ruhig zu dem Buckligen: „Sie werden einstweilen bei meinen Leuten bleiben, bis wir fertig sind.“ Ein Wink und die Soldaten führten den Buckligen ab.

„Hände hoch!“ befahl der Offizier. Alle Anwesenden hielten die Hände hoch—keine Waffe, kein Messer zeigte sich.