Er selbst wäre ja so gerne gleich mit hinausgezogen ins Feld! Aber bis jetzt war er noch nicht einberufen, und die Eltern waren glücklich, daß ihnen ihr Einziger blieb. So sprach er nicht viel davon, wie es ihn drängte, mit ins Feld zu ziehen. Er sagte sich: Vielleicht kannst du auch unter deinen Jungen etwas fürs Vaterland wirken. Er wußte noch nicht auf welche Weise; aber die warme Liebe, in der sein Herz fürs Vaterland glühte, die mußte doch auch die Herzen der Jungen erwärmen.

Der erste Schultag kam. Im Gymnasium war vieles verändert. Mehrere Lehrer fehlten; sie waren einberufen worden. Die Klaßzimmer waren anders eingeteilt; denn man hatte Platz machen müssen für einige Klassen Volksschüler. Das große, neue Volksschulgebäude, das nahe dem Gymnasium lag, war als Lazarett für Verwundete eingerichtet und die Schüler mußten in andere Schulen verteilt werden. Solch eine Klasse Volksschüler war auf demselben Stock und gerade gegenüber dem Klassenzimmer untergebracht, in dem nun Professor Jahn seine Schüler wiederfand. Es waren Jungen im Alter von 11-12 Jahren, die er schon im Vorjahr gehabt hatte. Frisch und gesund sahen sie fast alle aus nach der Ferienzeit und lebhafter als früher blickten sie aus den Augen, hatten sie doch alle so Großes erlebt. Erwartungsvoll schauten sie nun ihren Lehrer an; der würde gewiß etwas über den Krieg sagen; oder sollte er doch gleich mit dem Latein anfangen?

Bewahre! Das konnte er nicht. Er redete mit seinen Schülern über das, was das deutsche Vaterland in den letzten Wochen erlebt hatte. Er wollte auch wissen, ob es ihnen allen ganz klar sei, daß wir ohne Schuld zu diesem furchtbaren Krieg gezwungen wurden. Dann fragte er nach den Feinden und sie riefen durcheinander: Russen, Franzosen, Serben, Engländer, Belgier, Japaner, Montenegriner.—Und unsere Freunde? Da schallte das einzige Wort durch die Klasse: Österreich!

„Ja, so viele Feinde und nur einen Freund! Da haben wir armen Deutschen wohl auch noch gar keinen Sieg erfochten? Oder wißt ihr einen zu nennen?“

Da brüllten sie durcheinander: „In Lothringen, Lüttich, in Ostpreußen,
Namur, Maubeuge, Brüssel!“

Einer rief: „Paris!“

„Halt, halt, soweit sind wir noch nicht!“

„Aber soviel wie besiegt ist's!“

„Aber doch nicht besiegt. Nur kein Wort mehr sagen, als wahr ist! Über was beschweren wir uns denn so sehr bei unseren Feinden, wer weiß es?“

„Über die Grausamkeit,“ rief einer.